Schneller bedient
Immer mehr Funktionalitäten, höhere Taktzahlen, Minimierung des Fehlerrisikos, schnelles Einstellen neuer Formate: Trotz zunehmender Komplexität im Verpackungsmaschinenmarkt ist der Verpa-ckungsmaschinenbauer Somic darauf bedacht, dass Produktions- und Servicemitarbeiter ihre Anlagen sicher im Griff behalten – z.B. durch ein gutes Interface-Design zum Bedienen&Beobachten. Für die neue Maschinengeneration 424 hat man daher im Vorfeld die Automatisierungskompetenz von Lenze – insbesondere für die Visualisierung – und das Steinbeis-Transferzentrum i/i/d für die generelle Interface-Systematik an einen Entwicklungstisch geholt.
Ein modernes Visualisierungssystem muss nicht nur seine Kernaufgabe – das reine Darstellen – beherrschen, sondern auch ansprechend gestaltete Bedienoberflächen mit ausgefeilter Ergonomie aufweisen. Designer und Techniker müssen deshalb Hand in Hand und mit professionellen Werkzeugen arbeiten. Bei Somic ist man darüber hinaus davon überzeugt, dass ein gutes Interface-Design ge-genüber dem Wettbewerb Differenzierung schafft und die eigene Markenidentität festigt. „Aus Sicht unserer Kunden müssen sich zeitgemäße Verpackungsmaschinen dem Produkt, den Marktanforderungen und dem Produktionsprozess anpassen. Benötigt werden neben der sprichwörtlichen Zuverlässigkeit hohe Flexibilität, souveräne Leistung und eben leichte Bedienbarkeit", unterstreicht Somic-Inhaber Manfred Bonetsmüller.
Bedient wird die Endverpackungsmaschine 424 mit einem beweglichen und drehbaren Lenze-Panel-PC vom Typ CS 5700. Das Edelstahlgehäuse des freistehenden, rundum gegen Staub und Spritzwasser geschützten HMI in Schutzart IP65 hat Lenze für Somic passend zur Maschine konzipiert. Die Rückwandhaube des flachen Design-Gehäuses wird für eine Tragarmmontage an der Anlage genutzt. Mit Blick auf zukünftige Innovationen bietet die Einheit bereits heute eine Anschlussmöglichkeit für eine RFID-Kennung.
Grafische Hilfe
Der 15"-Bildschirm erlaubt dank sprachunabhängiger Symbole und Bilder intuitives Arbeiten. Das Display zeigt in der Praxis drei verschiedene Betriebsarten an, die sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Grundfarben sehr leicht voneinander unterscheiden lassen. Der Automatikmodus bringt im normalen Betrieb alle relevanten Daten aktuell auf den Bildschirm. Bei Maschinenstopp wird die Ursache verständlich beschrieben und optisch darge-stellt. Anleitungen zur Fehlerbehebung werden durch grafische Darstellungen unterstützt. „Wir denken hier aktuell auch über kurze Videosequenzen nach", erläutert Manfred Bonetsmüller. Der Modus ‚Einrichten' ist abgestimmt auf die Arbeiten bei einem Formatwechsel, unterstützt Bediener insofern bei der schrittweisen Umstellung bis hin zur Referenzfahrt und zur Aufnahme des Automatikbe-triebs im neuen Format. Im Service-Modus lassen sich bei Inspektions- und Wartungsarbeiten schließlich die passenden Betriebsarten aus verschiedenen Optionen auswählen. Generell betrachtet, ermöglichen die hier dargestellten differenzierten Nutzer- und Nutzungsebenen eine jeweilige Reduktion auf die aktuell erforderlichen Informationen – inkl. abgestuft einstellbarer Zugriffsberechtigungen. „Der Bediener muss sich durch das System unterstützt fühlen, um jederzeit sicher agieren zu können", unterstreicht der Somic-Inhaber.
Mit dieser Zielsetzung vor Augen, hat das Steinbeis-Institut für Integriertes Design dem Interface die heutige Struktur gegeben. Angesichts der Globalisierung hat man weitgehend auf nur regional verständliche visuelle und textliche Elemente verzichtet. Stattdessen bestimmen universal begreifbare Symbole und eine leicht zu durchschauende Navigation das Sichtfeld. Die Benutzerführung bietet einfa-che Orientierung, sichere Navigation, verständliche Informationen, hilfreiche Strukturen und nachvollziehbare Abläufe – und dies ohne Anlehnung an bekannte Office-Betriebssysteme. In Summe wurden so die Zeiten für Umrüstungen und Einarbeitungen spürbar gesenkt – ein entscheidender Beitrag zur effizienten und sicheren Steuerung von Prozessen und Anlagen. Insbesondere in Stresssituationen muss sich der Bediener durch das System unterstützt fühlen, um entsprechend souverän agieren zu können. In aller Welt verständliche Symbole sowie Erklärungen in der Muttersprache der Bediener ziehen deshalb im globalen Markt nachhaltig Qualitäts- und Wettbewerbsvorteile nach sich.
„Ein Verpackungssystem muss aus Kundensicht über alle Parameter hinweg anpassungsfähig sein", so Manfred Bonetsmüller. „ Produktvielfalt und der Wunsch nach immer mehr Differenzierung am Point of Sale rufen nach einer schier unbegrenzten Anzahl von Lösungsmöglichkeiten." Dennoch müssen die Anlagen mit ihrer hohen Flexibilität Leistung bringen. Flachbeutel, Standbeutel, Faltschachteln, Einschlagverpackungen, Dosen, Becher, Schalen, Tuben: Die 424 verpackt so ziemlich alles, was Konsumenten täglich kaufen können, und das mit bis zu 1000 Einheiten pro Minute. Verfügbarkeit zählt, und deshalb kommt dem Interface gerade wegen der enormen technischen Komplexität die Aufgabe zu, entlang der einheitlichen Maschinenstruktur alle bedienungs- und wartungsrelevanten Bilder, Parameter sowie Informationen transparent und leicht verständlich zu vermitteln. „Von unserem Partner Lenze haben wir dafür kein fertiges Produkt übernommen, sondern vielmehr von der geballten Fachkompetenz umfassend profitiert", resümiert Manfred Bonetsmüller.
Für die Umsetzung der Visualisierung auf der Command Station von Lenze kommt das Visualisierungssystem VisiWinNet zum Einsatz. Die integrierte Visualisierungs-Softwareplattform von Inosoft gehört bei Lenze zum En- gineering-Standard. Entsprechend eng war hier die Zusammenarbeit aller Unternehmen beim Aufbau des Framework sowie bei der Detailarbeit an Hard- und Software. Die generellen Möglichkeiten von VisiWinNet reichen vom klassischen maschinennahen Bedienen&Beobachten mit HMIs bis zu komplexen Scada-Systemen in Client-/Server-Technologie. Vorgefertigte Visualisierungskomponenten (Templates) und Beispiele machen das Erstellen der Applikationen komfortabel und schnell. Die besondere Stärke von VisiWinNet liegt – insgesamt betrachtet – in der Skalierbarkeit und der Kombination von Laufzeit- und Entwicklersystemen.
Ausblick
Bei Somic wird weiter daran gearbeitet, die Flexibilisierung durch Lösungen zur automatischen Maschinenumstellung voranzutreiben. Ferner sind Benutzerverwaltungen per RFID am Start. Die folglich zunehmende Komplexität und Individualität der Maschinen erfordert ein modular aufgebautes und flexibel konfigurierbares Maschinenprogramm. Dieses wird nahezu unbegrenzte Möglichkeiten in der Anordnung der standardisierten, mechanischen und elektronischen Bausteine sowie der kundenspezifischen Funktionsgruppen und der individuellen Formatwerkzeuge bieten. Wie wird hier die Visualisierung Schritt halten? Dem Bediener sollen in großem Umfang Bilder, Animationen und Videos für alle Verpackungspro-zesse zur Verfügung gestellt werden. Dazu ergänzt Manfred Bonetsmüller: „Die Maschinen werden sich ohne Frage aber mehr und mehr selbst überwachen und rechtzeitig Meldung erstatten, bevor es zum Stillstand kommt."
Dipl.-Ing. Robert Föstl, Vertrieb Deutschland von Lenze, Hameln ( www.lenze.com/de )
