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SPS/IPC/Drives-Messebeiräte zu den aktuellen Technologie- und Markttrends

Energieeffizienz als Haupttrend

Dr. Peter Adolphs, Geschäftsführer der Pepperl+Fuchs GmbH in Mannheim ( www.pepperl-fuchs.com, SPS/IPC/Drives: 7A-338)
Dr. Peter Adolphs, Geschäftsführer der Pepperl+Fuchs GmbH in Mannheim ( www.pepperl-fuchs.com, SPS/IPC/Drives: 7A-338)
Roland Bent, Geschäftsführer der Phoenix Contact GmbH & Co. KG in Blomberg ( www. phoenixcontact.com, 9-310)
Roland Bent, Geschäftsführer der Phoenix Contact GmbH & Co. KG in Blomberg ( www. phoenixcontact.com, 9-310)
Heinz Eisenbeiss, Leiter Simatic Marketing der Siemens-Division Industry Automation in Nürnberg ( www.siemens.com/simatic, 2-201)
Heinz Eisenbeiss, Leiter Simatic Marketing der Siemens-Division Industry Automation in Nürnberg ( www.siemens.com/simatic, 2-201)
Dr. Steffen Haack, Geschäftsleitung Vertrieb Fabrikautomation der Bosch Rexroth AG in Lohr am Main ( www.boschrexroth.com, 7-450)
Dr. Steffen Haack, Geschäftsleitung Vertrieb Fabrikautomation der Bosch Rexroth AG in Lohr am Main ( www.boschrexroth.com, 7-450)
Dr. Thomas Höfling, Geschäftsführer der Sick Vertriebs GmbH in Düsseldorf www.sick.de, 7A-340)
Dr. Thomas Höfling, Geschäftsführer der Sick Vertriebs GmbH in Düsseldorf www.sick.de, 7A-340)
Jürgen Lauber, Geschäftsführer der Saia-Burgess Controls AG in Murten/CH ( www.saia-pcd.com, 7-494)
Jürgen Lauber, Geschäftsführer der Saia-Burgess Controls AG in Murten/CH ( www.saia-pcd.com, 7-494)
Dr. Wolfgang Lust, Geschäftsführer der LTi Drives GmbH in Lahnau ( www.lt-i.com, 4-240)
Dr. Wolfgang Lust, Geschäftsführer der LTi Drives GmbH in Lahnau ( www.lt-i.com, 4-240)
Die SPS/IPC/Drives ist auch 2011 wieder der Branchentreff für alle, die sich mit modernen Automatisierungskomponenten und -systemen befassen. Daher liegt es nahe, ausstellende und in diesem Umfeld besonders aktive Anbieterunternehmen zu den technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen zu befragen. Demgemäß beziehen im aktuellen Trendteil „SPS/IPC/Drives" die im Messebeirat engagierten Experten von ABB, Bosch Rexroth, Endress+Hauser, LTi Drives, Pepperl+Fuchs, Phoenix Contact, Pilz, Saia-Burgess, Sick, Siemens und Turck Stellung.

elektro Automation: Welches sind aktuell die drängendsten Praxisprobleme im Produktionsbereich und mit welchen Technologien bzw. Systemen lassen sich diese heute schon lösen?

Adolphs: Grundsätzlich haben wir in den letzten Jahren eine Produktivitätssteigerung durch mehr und bessere Automatisierung erlebt, d.h. die Bedeutung der Steuerungstechnik, der Sensorik und der Aktorik für die Performance einer Maschine hat deutlich zugenommen. Dieser Trend wird auch in den nächsten Jahren so anhalten. Allerdings kommt ein Aspekt hinzu, dessen Wichtigkeit zunehmen wird, nämlich das Thema Energieeffizienz. Angetrieben durch die Energiewende, aber auch durch die zu erwartenden Preissteigerungen für Energie wird dieser Faktor für die Produktionskosten an Bedeutung gewinnen. Zu diesem Thema werden auf der SPS/IPC/Drives 2011 wieder viele Hersteller ihre Innovationen vorstellen und in das Gespräch mit den Anwendern gehen. Dabei werden die größten Effekte erreicht, wenn diese Aspekte schon beim Design der Maschine und ihrer Mess- und Steuerungstechnik interdisziplinär berücksichtigt werden.

Bent: Mit der nach Fukushima beschlossenen Energiewende bekommt das Thema Energieeffizienz eine noch stärkere Bedeutung in der Industrie. Neben dem Einsatz von energieeffizienten Produkten spielt dabei eine entsprechende Auslegung und Optimierung der Steuerung von Anlagen und Maschinen eine zentrale Rolle. Hier setzt das Profil Profienergy der PNO an. Es bildet mit Standardisierungen zur energetischen Zustandssteuerung von Geräten die Basis für energieeffiziente Automatisierungslösungen. Grundvoraussetzung für Energiemanagement ist das Wissen über die aktuellen Energieverbräuche innerhalb der Maschinen und Anlagen. Um der dabei anfallenden Datenmenge Herr zu werden, ist es notwendig, schnelle Energiemonitoring-Systeme einzusetzen, die Daten direkt in SQL-Datenbanken schreiben können. Auf der SPS/IPC/Drives werden wir in diesem Jahr hierzu Produkte und Lösungen u.a. an Demomaschinen vorstellen.

Eisenbeiss: Die horizontale und vertikale Integration erfordert im Produktionsbereich immer mehr Rechenleistung und Speicher, die Vernetzung zudem eine immer stärkere Kommunikationsleistung. Des Weiteren ist die Wartungsfreundlichkeit von Systemen zu nennen, die durch die gestiegene Bedeutung von Asset Management bereits auf Komponentenebene angekommen ist. Auch das Thema Usability bei Planung und Projektierung von Anlagen identifizieren unsere Kunden als derzeitig wichtige Aufgabe. Die Verdichtung von Funktionen innerhalb der Produkte soll dabei aber nicht die Komplexität auf Anwenderseite erhöhen. Lösbar sind diese Aufgaben mit einem integrierten Ansatz, wie dem TIA Portal von Siemens, mit dem alle Automatisierungsprodukte wie Steuerung, HMI und Drives effizient innerhalb eines einzigen Engineering-Framework integriert werden.

Haack: Die Veränderungsgeschwindigkeit hat sich in allen Märkten dramatisch beschleunigt. Die Konjunktur- und Produktlebenszyklen werden immer kürzer. Maschinenanwender müssen immer kleinere Losgrößen wirtschaftlich produzieren und oft mehrmals am Tag umrüsten. Innovative Softwarefunktionen wie der Funktionsbaustein FlexProfile von Rexroth verkürzen die Umstellung von Maschinen entscheidend. Sie passen bei Veränderung eines Parameters ohne weiteren Bedienereingriff automatisch alle am Prozess beteiligten Achsen an die neuen Aufgaben an.

Höfling: Neben den allgemeinen Kundenbedürfnissen bzgl. Einfachheit, Flexi-bilität und Robustheit der Komponenten und somit der Anlage, sehen wir u.a. aktuell folgende Anforderungen: die Umsetzung der Maschinenrichtlinie, da es hier immer noch Unsicherheiten gibt, obwohl Ende des Jahres die Verlängerungsfrist der EN 954-1 ausläuft; Track&Tracing und hier insbesondere das Thema Plagiatschutz, denn maschinell lesbare Etiketten (z.B. mit Barcode, Data Matrix Code oder RFID-Chip) liefern wichtige Informationen zur Produktverfolgung und bieten dabei mit kombinierten technischen und organisatorischen Merkmalen auch hohe Sicherheit; Nachhaltigkeit bei Materialeinsatz, Energie und bei den Prozessen, denn trotz des nur geringen Anteils am Stromverbrauch einer Industrieanlage (ca. 1 %) können intelligente Sensoren beispielsweise Informationen für die Anlagensteuerung liefern, um auf den tatsächlich notwenigen Modus bis zu einem Standbymodus herunterzuschalten.

Lauber: Die Nachfrage schwankt tendenziell immer stärker. Die Vorhersehbarkeit ist geringer und die Ausschläge nach oben und unten werden eher größer. Die meisten Fertigungssysteme sind auf maximale Produktivität bei Volllast optimiert. Dieser Zustand wird jedoch immer seltener; Überlast oder Unterlast wird die Regel. Es besteht damit eine Fehloptimierung. Heute sind noch immer große Hochleistungsmaschinen und -anlagen das Ziel. Diese erzeugen hohe Fixkosten und benötigen relativ viel qualifziertes Personal. Bei Unterlast sind die Fixkosten ein Problem; bei Vollast findet man immer schwerer das richtige Personal, bei Überlast wird die große Maschine/Anlage zum unüberwindbaren Flaschenhals. Als probates Mittel hierfür kann ich nur Lean Production mit Kaizen nach Art der Japaner empfehlen. Eines der größten Hindernisse dabei ist der Umstand, dass in Europa kleine Maschinen bzw. Maschinen geringen Ausstoßes immer noch als Low Cost ausgeführt werden. Lean Production erfordert aber kleine, einfach handhabare Maschinen höchster Qualität und Funktionalität; keine Billigausführungen.

Lust: Aufgrund höherer Geschwindigkeiten in den Produktionsprozessen ist der Einsatz neuer Materialien auf dem Vormarsch. Die Personalkosten steigen kontinuierlich, sodass neben der höheren Geschwindigkeit vor allem auch geringere Stillstandzeiten ausschlaggebend für optimierte Fertigungsprozesse sind. Beides erfordert neue Materialien und wartungsärmere Systeme.

Pilz: Im Moment gilt die Aufmerksamkeit vor allem den durch die neue Maschinenrichtlinie geforderten Änderungen. Das aktuelle Stichwort ist das Auslaufen der EN 954-1. In der neuen EN 13849-1 wurden zusätzliche Anforderungen für programmierbare elektronische Systeme definiert und der Performance Level (PL) eingeführt. Unsere Produkte und Dienstleistungen liefern die Antworten in Bezug auf Konformität und Sicherheit von Maschinen und Anlagen. Die große Nachfrage nach unserem Schulungs-, Beratungs- und Dienstleistungsangebot zeigt, dass viele Anwender bei der Umsetzung noch Unterstützung benötigen.

Schreiter: Die sogenannten grünen Technologien werden immer wichtiger für die Unternehmen, insbesondere für solche, die sich einem nachhaltigen Handeln verschrieben haben. Dieser Trend sowie hohe Rohstoff- und Energiepreise stellen für die Unternehmen eine beträchtliche Herausforderung dar. Intelligente Automatisierungstechnik leistet durch eine gesteigerte Energieeffizienz hierbei einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Produktion. Ein weiterer wichtiger Aspekt zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit ist eine erhöhte Produktivität. Für ein Hochlohnland wie Deutschland gilt dies im Besonderen. Last, but not least muss selbstverständlich die Qualität der Produkte und der Services stimmen. Das ist eine Grundanforderung der Kunden.

Wolf: Aus unserer Sicht zählt der Wunsch nach einer immer lückenloseren Transpa-renz über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg zu den Top-Themen unserer Kunden im Produktionsbereich. Maschinen und Lösungen müssen im globalen Wettbewerb dem Anwender echten Mehrwert bringen und zunehmend effizienter hergestellt werden, ohne auf die gewohnte Qualität zu verzichten. Hier können geeignete RFID-Lösungen viel leisten. Ein gutes Beispiel ist die Automobilindustrie. Viele Automobilisten gehen jetzt dazu über, nicht nur die Fahrzeugträger mit RFID-Tags zu identifizieren, sondern immer mehr relevante Baugruppen wie Airbags zu taggen. So beginnt der Identifikationsprozess schon beim Zulieferer. In der Produktion werden dann alle Schritte vom Wareneingang über die korrekte Zuordnung und den Einbau der Baugruppen bis hin zur Inline-Qualitätskontrolle und letztlich zur Auslieferung absolut transparent.

Ziesemer: Unsere Kunden in den verfahrenstechnischen Industrien beschäftigen sich mit vielen Themen: Umweltschutz, Arbeitssicherheit, Flexibilität der Produktion und das Thema Kosten. Herausheben will ich das Thema „Energieeffizienz". Alle verfahrenstechnischen Industrien sind sehr energieintensiv. In der Nahrungs- und Genussmitelindustrie entfallen im Schnitt 6 bis 8 % der operativen Kosten auf Energie. Aber es geht auch um CO2-Emissionen und zunehmende staatliche Regulierung. Unsere Kunden führen deshalb Energiemonitoringsysteme ein. Bevor man agieren kann, muss man wissen, wo und wann ein Betrieb welche Energiemengen verbraucht. Dabei geht es um Strom, Dampf, Gas, Wasser und Druckluft. Aber auch „Plant Asset Management" (PAM) ist ein großes Thema im Zusammenhang mit Energieeffizienz. Betriebe müssen besser und gezielter in Stand gehalten werden.

elektro Automation: Welche Technologietrends sehen Sie mittelfristig im Automatisierungs- und Antriebsbereich und wie hoch schätzen Sie deren Bedeutung ein?

Adolphs: Der Anteil der elektrischen Automatisierung an einer Maschine wird weiter steigen. Nur so sind die gewünschten Effizienzsteigerung möglich. Insofern sind Technologien, die helfen, die dadurch steigende Komplexität der Automatisierungstechnik zu beherrschen, gefragt. Das reicht von intelligenten Steuerungskonzepten und deren Programmierung bis hin zur Kommunikation der diversen Komponenten untereinander über leistungsfähige Schnittstellen, deren Vielfalt möglichst begrenzt bleiben sollte. An dieser Stelle wird sicherlich neben Ethernet für hochperformante Komponenten insbesondere auch IO-Link für Sensoren und Aktoren mittlerer Komplexität ein Standard werden.

Bent: Trendthemen in der Automation sind auch weiterhin Industrial Ethernet und damit die IT-Security sowie die Mensch- und Maschine-Sicherheit im Sinne von Safety- Lösungen. Das Beispiel Stuxnet hat gezeigt, dass bei der stark steigenden Anzahl von Ethernet-basierten Automatisierungslösungen das Thema der IT-Sicherheit innerhalb der Automation betrachtet und gelöst werden muss. Aufgrund der erhöhten Sensibilität der Anlagenbetreiber hat dies auch zu einer stark gestiegenen Nachfrage nach Sicherheitsprodukten auf der Hutschiene geführt. Ein weiterer Trend zeigt sich darin, dass mit dem Einzug von Industrial Ethernet in die Automatisierung das Bedürfnis nach einfach zu projektierenden und einsetzbaren Produkten gestiegen ist. Dies fängt bei den I/O-Lösungen an, wo bei voller Verfügbarkeit der Performance von Ethernet die Komplexität in Projektierung und Handhabung drastisch reduziert wird, und geht bis zu umfangreichen Engineering-Systemen. Diese unterstützen den Anwender mit IT-Technologien wie intelligente Assistenten oder flexibel gestaltbare Webseiten bei Projektierung, Programmierung und Betrieb von Automatisierungslösungen.

Eisenbeiss: Treibender Faktor sind die immer spezifischeren Anforderungen der Konsumenten industriell produzierter Güter. Dies führt zu wachsender Produktvielfalt, die flexiblere Produktionsanlagen erfordert. Für den Lebenszyklus einer Anlage sind schneller Return on Invest, verbesserte Wettbewerbsfähigkeit und kürzere Markteinführungszeiten gefordert. Automatisierung leistet hierbei einen immer wertvolleren Beitrag. Die Technologietrends sind im zunehmenden Maße Software-orientiert: z.B. durchgängige Planungs-, Projektierungs- und Wartungs-Tools entlang der Arbeitsprozesse – mit einheitlicher Bediener-führung und ohne Mehrfacheingabe von Daten; oder auch der steigende Bedarf an Anlageninformations- und MES-Lösungen. Zudem werden die Automatisierungs- und Antriebsprodukte einen zunehmenden Beitrag zur Energieeffizienz leisten müssen.

Haack: Maschinenhersteller müssen die Time-to-Market für neue Konzepte immer weiter verkürzen, um im globalen Wettbewerb zu bestehen. Nur durch eine stärkere Verlagerung der bislang mechanisch gelösten Aufgaben in die Software können sie rechtzeitig mit den richtigen Maschinen am Markt sein. Die Voraussetzung: Die Software muss die spezifischen Eigenschaften aller Antriebstechnologien berücksichtigen und die daran angepassten Befehle über elektronische Komponenten regeln. Das verkürzt die Engineeringphase nachhaltig und gibt Maschinenherstellern einen wichtigen Geschwindigkeitsvorteil.

Höfling: Verbergen von Komplexität hinter einfachen Benutzerschnittstellen oder anders gesagt: Komplexes einfach „ einfach" zu gestalten. Ob als Privatmann oder im Berufsleben lieben wir es, Technologie, die komplexe Möglichkeiten bietet, trotzdem auf einfache Weise zu installieren und zu bedienen, z.B. beim Konfigurieren von Netzwerken oder beim Anbinden neuer Komponenten per USB am PC. Dies ist ebenso im Bereich Sensor- und Steuerungstechnik zu erwarten und dazu gehört auch die Integration weiterer Komponenten über digitale Schnittstellen, so z.B. bei der Motor-Regler-Kommunikation in der elektrischen Antriebstechnik. Die neue Schnittstelle spart Kosten bzw. Platz und bietet gleichzeitig ein Höchstmaß an Investitions- wie auch an Maschinensicherheit. Damit eröffnet das Motor-Feedback über das Motorkabel neue Möglichkeiten bei der Architektur von Servoantriebs-Systemen.

Lauber: Die Alterspyramide wird zu immer weniger Fachpersonal für die Produktionstechnik führen. Dies wird Lean-Automation-Technologien fördern. Also Techniken die geringe Komplexität und wenig Problempotenzial haben. Einarbeitungszeiten und Fehlerrisiken werden ein entscheidendes Kriterium werden. Produktionsanlagen werden immer mehr ohne Personal nur fernüberwacht arbeiten. Hier wird die komplette nahtlose Integration von Web- und IT-Technologie ebenso wichtig sein wie der Verzicht auf proprietäre Systemwelten.

Lust: Es gibt einige Technologietrends für die kommenden Jahre. Ein wichtiger Trend ist sicherlich der Bereich Sensorik: Genauere, schnellere, kleinere, leichtere und immer wartungsärmere Automatisierungs-systeme setzen gleichermaßen auch eine wesentlich verbesserte Sensorik voraus. Bei der Verteilung der Intelligenz und der Sicherheitstechnologie in der Automatisierungstechnik wird es sicherlich zwei Trends geben: einen Trend in Richtung intelligente Teilautomaten mit schneller Kommunika-tion für die High-end-Lösungen und einen weiteren für Lösungen mit zentraler Intelligenz in den Low-end- und Middle-end-Anwendungen.

Pilz: Wirtschaftlichkeitsüberlegungen werden bei der Auswahl von Automatisierungs- und Antriebstechnik nochmals enorm an Bedeutung gewinnen. Für Anwender ist neben der Wirtschaftlichkeit die Erhöhung der Energieeffizienz von Maschinen und Anlagen ein wichtiges Anliegen – natürlich immer unter der Prämisse, dass die bereits erreichte Effizienz und Präzision erhalten werden muss. Deshalb richten wir beispielsweise bei der Entwicklung von Produkten verstärkt unser Augenmerk auf das Thema Energieeffizienz. So ermöglicht ein optimiertes Systemdesign bei dezentralen E/A-Systemen erhebliche Energieeinsparungen. Der Nutzen für den Anwender ist hier für uns genauso Motivation wie die Schonung von Ressourcen.

Schreiter: Der reine Produktmarkt wird mehr und mehr durch die Exporte der Emerging Markets unter Druck geraten. Zukunftsentscheidend für die Unternehmen wird daher auch sein, für ihre Kunden Lösungsanbieter zu sein. Denn die Kunden suchen und fragen Lösungen an, weil sie sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren wollen. Und weil sie noch bessere Produkte anbieten wollen und müssen. Eine Antwort der Unternehmen kann darin bestehen, dem Kunden spezifisches Branchenwissen zur Verfügung zu stellen. Dieses spezielle Knowhow, in Form branchenkompetenter Ansprechpartner oder gebündelt in entsprechenden Teams, sorgt für ein besseres Verständnis der Kundenanforderungen und damit auch für effizientere Prozesse und bessere Produkte.

Wolf: Analog zur Forderung nach immer mehr Transparenz sieht Turck das Thema RFID als einen der wichtigsten Technologietrends der kommenden Jahre. Damit der Anwender maximal von den Möglichkeiten profitieren kann, sollte die Erfassung so restriktionsfrei wie möglich erfolgen. Die Hersteller müssen dazu Lösungen anbieten, die exakt auf die Anwendung des Kunden passen. Hier werden zunehmend höhere Reichweiten und verbesserte Funktionalitäten wie Pulkerkennung nachgefragt. Ein weiteres Trendthema sehen wir nach wie vor im Bereich Dezentrale Intelligenz. Hier erwarten die Kunden Bedien- und Steuerungslösungen, die das Gesamtsystem entlasten und bestimmte Aufgaben direkt vor Ort ausführen. Zentrale Forderungen dabei sind eine möglichst einfache Implementierung und Handhabung. Diese Forderungen sind auch der Grund dafür, dass wir heute mit immer mehr Anwendern über IO-Link reden.

Ziesemer: „Wireless" ist ein besonders wichtiger Technologietrend. In den verfahrenstechnischen Industrien werden vor allem Geräte mit „WirelessHart" eingeführt. Dabei sind die Pilotierungen abgeschlossen. Nun sehen wir den produktiven Einsatz. Endress+Hauser konnte ein erstes Projekt mit 700 Wireless-Geräten abwickeln, welches für eine Upstream-Anwendung in der Öl- und Gasindustrie in Südamerika bestimmt war. Ein weiterer Trend ist der zunehmende Einsatz von Ethernet-Protokollen. Mittlerweile verkaufen wir zwei Durchflussmesser mit einer Ethernet/IP-Schnittstelle. Der Erfolg ist beachtlich. Wir werden weitere Geräte dieser Art entwickeln und arbeiten dabei eng zusammen mit unserem Allianzpartner Rockwell Automation.

elektro Automation: Wie wird sich die Branche Automatisierungstechnik im kommenden Jahr entwickeln und welche Gefahren sehen Sie hier z.B. aufgrund der Euro-Krise?

Adolphs: Noch vermelden die meisten Hersteller von Automatisierungstechnik hohe Umsätze und Auftragseingänge. Auch der VDMA geht noch von einem Zuwachs für 2012 aus, der allerdings deutlich kleiner ausfallen wird als noch 2011. Diesen relativ positiven Aussichten gegenüber stehen die Meldungen von den Finanzmärkten und aus der Politik. Derzeit kann wohl noch niemand einschätzen, wie der Einfluss dieser Faktoren auf die Automatisierungstechnik genau sein wird. Eine Abkühlung der Konjunktur auch in unserem Bereich ist aber sicherlich nicht auszu-schließen. Weitergehende Erkenntnisse hierüber erwarten wir auch von den Gesprächen auf der diesjährigen SPS/IPC/Drives.

Bent: Nach dem außerordentlichen Wachstum des Jahres 2010 konnte die Branche auch im ersten Halbjahr dieses Jahres im Durchschnitt noch ein sehr gutes zweistelliges Wachstum verzeichnen. Die Wachstumsdynamik hat sich seit dem Sommer verringert, lässt aber immer noch ein insgesamt sehr gutes Wachstum für 2011 erwarten. Die momentane turbulente Lage an den Finanzmärkten ist aus unserer Sicht zum Glück noch nicht in der realen Wirtschaft angekommen, macht aber Prognosen für 2012 sehr schwer. Die aktuell robuste Lage der Automatisierungsindustrie und der meisten Abnehmermärkte lässt uns aber nach zwei außergewöhnlichen Wachstumsjahren durchaus noch von einem moderaten Wachstum der Branche im nächsten Jahr ausgehen.

Eisenbeiss: Für 2012 erwarten wir für die Automation nach zwei starken Wachstumsjahren 2010 und voraussichtlich 2011 noch einmal eine Zunahme der Auftragseingänge, aber auf geringerem Niveau. Die Elektroindustrie und auch die Automation zählen heute zu den am stärksten globalisierten Branchen, wobei das Wachstum auf den Weltmärkten generiert wird. Voraussetzung für nachhaltiges Wachstum in der Euro-Zone sind eine hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit, Innovationen und Spitzen-Technologien, mit denen sich Ideen schnell in marktreife Produkte umsetzen lassen. Neue Investitionen erwarten wir vor allem im Bereich Energieeffizienz und bei Industriesoftware zur Optimierung der Planungs- und Fertigungsprozesse.

Haack: Wir erleben in der Automatisierungstechnik seit mehreren Jahren eine Verschiebung der Märkte nach Asien. China ist mittlerweile auch in absoluten Werten der weltweit größte Absatzmarkt für die meisten Maschinenbaubranchen. Indien zeigt eine ähnliche Entwicklung wie China vor zehn Jahren. Auch Südamerika und Russland legen aktuell deutlich zu. Auf der anderen Seite zeigt der Maschinen- und Anlagenbau in den Industrienationen Westeuropas und die USA ein signifikant geringeres Wachstum. In Summe geht Bosch Rexroth auch für 2012 von einem weltweiten Wachstum der Branche Automatisierungstechnik aus, allerdings mit geringeren Steigerungen als in den vorhergehenden beiden Jahren.

Höfling: Insgesamt deuten die jüngsten In-dikatoren auf eine langsamere Gangart der Weltkonjunktur hin. Dämpfend wirken sich die stark gestiegenen Rohstoffpreise auf das Konjunkturklima aus; dazu kommen die zunehmenden Zeichen der Überhitzung in einer Reihe von Schwellen- und Entwicklungsländern. Auch die möglichen Risiken durch die europäische Schuldenkrise und das schwächere Wachstum in den USA sind uns bewusst, jedoch empfinden wir das Geschäftsklima nach wie vor positiv. Der weiter steigende Automatisierungsgrad von Maschinen wird unsere Branche ebenfalls unterstützen.

Lauber: In diesem Jahr ging es der Branche sehr gut. In 2012 wird es ihr immer noch gut gehen. Denn sie hat große Beiträge bei der Bewältigung der Zukunftsherausforderungen zu leisten; Alterspyramide und Ressourceneffizienz. Diese Herausforderungen werden die klassische Aufgabenstellung der Steigerung des Produktionsausstoßes in der Wichtigkeit ablösen. Damit entstehen neue Absatzmöglichkeiten, sogar wenn die Euro-Krise die Industrie negativ beeinflussen sollte.

Lust: Das durchschnittliche Wachstum der vergangenen zehn Jahre lag im Bereich Automatisierungstechnik bei 6 bis 7 %. Ein ähnliches Wachstum sehen wir auch für die Zukunft. Da es im Bereich Automatisierungstechnik große Branchen mit stark schwankenden Investitionszyklen gibt (Solarbranche, Automobilbranche, Textilmaschinenbranche etc.) und die Investitionen in diesen Bereichen in 2010 und 2011 überproportional waren, rechnen wir für 2012 lediglich mit einem Branchenwachstum von 3 bis 4 %. Was die Euro-Krise betrifft, so lässt sich sagen, dass Finanzkrisen immer einen starken Einfluss auf Investitionsgüter haben. Ob aus der Staatenkrise eine Finanzkrise wird, hängt von der Politik und vielen psychologischen Faktoren ab.

Pilz: Wir sind zuversichtlich, dass sich unsere Branche weiterhin als stabil erweisen wird. Darauf weisen viele Signale hin. Dass wir auch in kritischen Zeiten Innovationen vorantreiben, hat sich als richtig erwiesen. Daran wollen wir festhalten. Zu Spekulationen, welche Auswirkungen die aktuellen Entwicklungen auf den Finanzmärkten haben, werden und wollen wir allerdings nicht beitragen.

Schreiter: Für die Automatisierungstechnik sehe ich einen positiven Trend und mittelfristig eine gute Perspektive. Der Weltmarkt wird durch die Nachfrage und den Wachstumshunger der Emerging Markets ge- trieben. Die Unsicherheiten um den Euro können uns aber kurzfristig zurückwerfen und es kann immer wieder zu zyklischen Schwankungen kommen. Wichtig dabei scheint mir, aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen und z.B. qualifiziertes Personal zu halten. Es lässt sich feststellen, dass sich die Industriewirtschaft momentan sehr besonnen verhält; ein weiteres Indiz dafür, dass mittelfristig mit Wachstum gerechnet wird.

Wolf: Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass sich die gesamte Automatisierungsbranche weiterhin dynamisch entwickeln wird, auch wenn sich erneut konjunkturelle Risikofaktoren abzeichnen. Wichtig ist, dass die Marktteilnehmer jetzt nicht überreagieren. Ich bin aber überzeugt, dass die Politik europaweit die richtigen Rahmenbedingungen schaffen wird, um eine gewisse Sicherheit zu gewährleisten. Denn wenn Unsicherheit herrscht, ändert sich das Investitionsverhal-ten. Die letzten vier Jahre haben gezeigt, wie schwierig Zukunftsprognosen sind. Wir hatten für Turck 2011 ein Umsatzwachstum im unteren zweistelligen Bereich erwartet, tatsächlich sind es rd. 25 % geworden. 2012 wird es diese Größenordnungen sicher nicht mehr geben, unsere Prognose liegt bei ca. 10 %.

Ziesemer: 2010 und 2011 haben der Prozessautomatisierung jeweils zweistellige Wachstumsraten bereitet. Das Niveau des Geschäfts liegt nun sehr deutlich über dem Vorkrisenjahr 2008. Für 2012 erwarten wir nochmals Wachstum – nun aber im mittleren einstelligen Prozentbereich. 2012 würde dann das beste Jahr, welches die Branche je gesehen hat – auch wenn die Wachstumsraten rückläufig sind. Bisher hat sich die Industriekonjunktur als erstaunlich robust erwiesen gegenüber all der Panik in den Finanzmärkten. Wir hoffen, dass das auch so bleibt, wissen können wir das allerdings nicht. zg

INFO-TIPP

Inwieweit aktuelle Technologietrends sich in konkreten Automatisierungsprodukten widerspiegeln, zeigen u.a. die zehn für den Automation Award 2011 nominierten Messe-Highlights. Informationen hierzu finden Sie ab S. 8, vor Ort auf der Messe (Halle 3, Stand 210) sowie auf der folgenden Website:

· www.wirautomatisierer.de/ automationaward

17.11.2011


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