Gerätefunktionen voll entfalten
elektro Automation: Inwieweit sind die Entwicklungs- bzw. Standardisierungsarbeiten zur FDT/DTM-Technologie, insbesondere unter dem Aspekt ‚ Antriebstechnik' bereits abgeschlossen?
Brill: Mit der Entwicklung von FDT wurde vor ca. zehn Jahren begonnen. Die Spezifikation wurde in dieser Zeit entsprechend weiterentwickelt und im Jahr 2009 als IEC-Standard 62453 verabschiedet. Daneben entstanden die sogenannten Proto-koll-Annexe. Ein Annex definiert die Nutzung eines Feldbusprotokolls im Zusammenhang mit der FDT-Technologie. Die nächste Version der FDT-Spezifikation (FDT 2.0) steht vor ihrer Fertigstellung und wird bis zum Jahresende auch für die Öffentlichkeit freigegeben. Die FDT-Technologie ist für die Integration der verschiedensten Geräte geeignet und daher nicht branchen- bzw. gerätespezifisch. Der Einsatz in der Antriebstechnik setzt lediglich voraus, dass die dort relevanten Feldbusse unterstützt werden.
elektro Automation: Wie schätzen Sie aktuell die Akzeptanz bei Antriebsanbietern und -anwendern ein?
Brill: Die Akzeptanz in der Antriebsbranche ist noch relativ gering. Dies lässt sich zum einen dadurch erklären, dass die FDT-Technologie ursprünglich aus der Prozessauto-atisierung kommt und in der Fabrikautomatisierung noch nicht ausreichend bekannt ist. Als weiteren Punkt muss man sehen, dass die notwendigen Spezifikationen in der FDT Group (sog. Annex) für die Einbindung von Netzwerken der Antriebstechnik zum Teil erst jetzt fertig gestellt wurden bzw. sich in der Reviewphase befinden (z.B. Sercos III, Ethercat). Ein weiterer Aspekt ist die Einbindung von FDT in die SPS-Programmiersysteme. Hier gab es bisher noch eine Lücke, die aber von einigen Herstellern in den letzten beiden Jahren geschlossen wurde, d.h. unter anderem folgende Anbieter haben mittlerweile FDT in ihre Systeme integriert: 3S, B&R, Bosch Rexroth, KW Software, Phoenix Contact und Schneider Electric.
elektro Automation: Worin sehen Sie Vor- und worin Nachteile sowohl für Antriebsanbieter als auch für Antriebsanwender?
Brill: Die Vorteile liegen in der Integration von Antrieben verschiedener Hersteller in einem Engineering-Tool durch die standardisierte FDT-Schnittstelle. Auch der Zugriff auf einzelne Geräte von einer zentralen Stelle aus, über verschiedene Bushierarchien hinweg, stellt einen großen Nutzen dar. Die Offenheit der Schnittstelle stellt nur für die Hersteller einen Nachteil dar, die ihre Produkte bevorzugt mit proprietären Mitteln in geschlossenen Systemen einsetzen wollen.
elektro Automation: Wie genau differenziert sich FDT/DTM gegenüber der XML- basierten Gerätebeschreibung?
Brill: Eine Gerätebeschreibung behandelt üblicherweise nur die statischen Aspekte eines Geräts, während es mit FDT möglich ist, die vielfältigen Funktionen eines Geräts durch einen entsprechenden DTM zur vollen Entfaltung zu bringen. Es liegt in der Hand des Geräteherstellers, er ist nicht abhängig von der Interpretation der Gerätebeschreibung durch das jeweilige System. urch die vielfältigen Möglichkeiten einer graphischen Nutzeroberfläche können beispielsweise hochwertige Diagnosefunktionen angeboten werden (z.B. Oszilloskopdarstellungen bei Antrieben und mehr). zg
INFO-TIPP
Wie die neue FDT-Spezifikation 2.0 für die nahtlose Integration von Anlagenkomponenten in übergeordnete Gesamtsysteme sorgen soll, verdeutlicht der Kurzbeitrag zum letztjährigen Forum Factory Automation:
· www.wirautomatisierer.de/ 32494682
Auch 2011 wird das Forum Factory Automation wieder aktuelle Informationen zur FDT/DTM-Technologie bieten, und zwar am 27. und 28. September in Stuttgart:
