Neue Energieeffizienzklassen
Die Energieeffizienzklassen für Elektromotoren sind nun gemäß der Norm IEC 60034-30 umgestellt, was aber bedeutet dies für die Praxis? Bei aller normativen Festlegung gibt es hier bei zahlreichen Anwendern noch in vielerlei Hinsicht ein Informationsdefizit. Für welche Antriebsanwendungen ist die neue Klassifizierung überhaupt relevant und entsprechen die auf dem Markt verfügbaren Motoren bereits alle den veränderten Vorgaben? Dies sind zwei der Aspekte, die die Redaktion im Rahmen des Trendteils „Drives & Motion" von insgesamt sieben Anbieterexperten klären lässt.
Energieeffizienz in der industriellen Produktion selbst, aber auch als Vorgabe bei der maschinenkonstruktion wird sicherlich ein Megatrend für die kommenden Jahre sein und bleiben. In dementsprechend vielen Bereichen sind daher auch Effizienzüberlegungen zu berücksichtigen. Aktualisiert wurden nun die Effizienzklassen für Elektromotoren – bei der großen Anzahl industrieller Antriebe und dem zugehörigen riesigen Einsparpotenzial an Energie sicher kein überraschender Vorgang. Wie aber wird sich diese Veränderung auf den Motoreinsatz in der Praxis konkret auswirken und lohnen sich Energiesparmotoren im Vergleich mit den enormen Möglichkeiten durch geregelte Antriebstechnik tatsächlich? Antworten geben in unserem Experten-Interview die Vetreter der Antriebs-anbieter ABB, Danfoss, Lenze, Nord Drivesystems, Rexroth, SEW-Eurodrive und Siemens – und zwar auf folgende Fragen:
· Welche Bedeutung haben die insbesondere im Bereich der Normmotoren wichtigen neuen Energieeffizienzklassen (IE1 bis IE3 bzw. zukünftig auch IE4) für die automatisierende Antriebstechnik und gibt es hierbei Unterschiede abhängig von Branchen oder Anwendungsbereichen?
· Verglichen mit der Umstellung von ungeregelten zu geregelten Antrieben bieten die hocheffizienten Motoren ein eher geringes Potenzial für Energieeinsparungen. Wann lohnen sie sich dennoch, d.h. welche Amortisationszeiten werden bei welchen Applikationen erreicht?
Zur ersten Frage stellt beispielsweise Michael Burghardt von Danfoss fest: „Die Energieeffizienzklassen erlangen mehr und mehr Bedeutung. Dies resultiert schon aus der Verordnung (EG) Nr. 640/2009, die den Anwender zwingt, in den meisten Anwendungsfällen entsprechend klassifizierte Motoren einzusetzen. Gleichzeitig erhöht die Regulierung des Motoreinsatzes das Bewusstsein bei den Anwendern, durch Einsatz dieser Motoren Energie – und damit auch bares Geld für den Anwender – zu sparen." Zur zweiten Frage bemerkt u.a. Dr. Jürgen Jendryschik von Nord Drivesystems: „IE2-Motoren bieten im S1-Betrieb, d.h. im kontinuierlichen (Mehrschicht-) Dauerbetrieb, große Vorteile. Hier liegt die Amortisationszeit je nach Anwendung zwischen weniger als einem Jahr und drei Jahren. Diese Vorteile werden allerdings bei größeren Beschleunigungen geringer. Um die Antriebslösungen für individuelle An-wendungen, wie Lüfter, Pumpen, Rührwerke oder Mischer, optimal auszulegen, ist Beratung essenziell – hier sollten sich Anwender nicht auf die Verbrauchsoptimierung einzelner Motoren beschränken, sondern das Gesamtsystem betrachten."
INFO-TIPP
Auf dieser Website informiert der ZVEI über Grundlagen und Poten-ziale energieeffizienter Antriebe:
· www.zvei.org/fachverbaende/ automation/energieeffiziente_ antriebe
