Innovation braucht auch Zeit
Die Sicherheitstechnik ist derzeit nicht nur aufgrund der neuen Maschinenrichtlinie intensiv im Gespräch, sondern wie schon seit einigen Jahren auch dank ihrer Innovationskraft – vom Einzug der Elektronik über die Etablierung der Sicherheitsbusse bis hin zur Verlagerung in dezentrale Komponenten wie die Antriebe. Ge- rade der letzte Punkt ist technisch mittlerweile schon weit fortgeschritten. Inwieweit das entsprechende Innovationspotenzial aber genutzt wird, beleuchten insgesamt elf Antriebs- und Safety-Experten im Rahmen des Trendteils „Drives & Motion".
Die Akzeptanz antriebsbasierter Maschinensicherheit in der Praxis, die Umsetzung gemäß der neuen Maschinenrichtlinie und die Bedeutung der verlängerten Vermutungswirkung der EN 954-1 – zu all diesen Aspekten beziehen die Experten von B&R, Baumüller, Bosch Rexroth, Danfoss, LTi Drives, Mitsubishi Electric, Pilz, Rockwell Automation, SEW-Eurodrive, Sigmatek und Siemens Stellung (s. S. 20). Ganz konkret gaben die Unternehmensvertreter Statements ab zu den folgenden Fragen:
· Nutzen die Anwender aus Ihrer Sicht heute schon ausreichend die Möglichkeiten der im Antrieb integrierten Safetyfunktionalität und sind die von der Praxis geforderten Sicherheitsfunktionen aktuell bereits alle implementiert?
· Ende 2009 ist die neue Maschinenrichtlinie in Kraft getreten. Stehen für Ihre Antriebe alle zur Berechnung des Performance Level (PL) notwendigen Kenngrößen zur Verfügung?
· Wie bewerten Sie hinsichtlich der Etablierung der antriebsintegrierten Sicherheit im Markt die bis Ende 2011 verlängerte Vermutungswirkung der EN 954-1?
Dass beim praktischen Einsatz der antriebsbasierten Sicherheitstechnik noch einiges Potenzial besteht, darin sind sich die Experten im Großen und Ganzen einig. Stellvertretend verdeutlicht dies Franz Aschl von Sigmatek folgendermaßen: „Das Interesse an Safetyfunktionalitäten ist groß, da Safety aber ein sehr sensibler Bereich ist, dauert die Implementierung entsprechend lange. Und daher nutzen die Maschinenbauer die Möglichkeiten, die sich durch die im Antrieb integrierten Sicherheitsfunktionen ergeben, noch nicht in vollem Umfang." Andreas Hahn von Pilz gibt hierzu ergänzend zu bedenken, dass „ antriebsintegrierte Sicherheit zudem meist unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit diskutiert wird, aber nicht in Bezug auf Zeit und Kosten. Das Potenzial, das sich aus reduzierten Stillstandszeiten und minimierten Wartungsaufwendungen ergibt, ist vielen Anwendern noch nicht bewusst." Wenig Einfluss auf den Einsatz moderner Sicherheitstechnik scheint hingegen die verlängerte Vermutungswirkung der EN 954-1 zu haben. Julian Bodem von LTi Drives bemerkt dazu: „Alle aktuellen Anfragen beziehen sich ausschließlich auf die neuen Normen. Auch in Gesprächen mit Anwendern wurde immer betont, dass diese die neuen Maschinen nach Stand der Technik ausrüsten wollen. Ein plausibles Statement: Schließlich würde auch niemand ein neues Auto mit einem völlig veralteten Bremssystem und ohne Airbag kaufen."
zg
INFO-TIPP
Wie groß ist denn nun in der Praxis tatsächlich das Potenzial, das in einem konsequenten Einsatz antriebsbasierter Sicherheitstechnik schlummert? Hierüber lässt sich wohl trefflich diskutieren und streiten, am besten in unserem Online-Forum Automatisierung:
