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SPS/IPC/Drives-Messebeiräte zu den aktuellen Technologie- und Markttrends

Automatisierung hat noch Potenzial

Günther Baumüller von Baumüller
Günther Baumüller von Baumüller
Roland Bent von Phoenix Contact
Roland Bent von Phoenix Contact
Heinz Eisenbeiss von Siemens
Heinz Eisenbeiss von Siemens
Dr. Matthias Kirchherr von Lenze
Dr. Matthias Kirchherr von Lenze
Karl-Heinz Lust von LTi Drives
Karl-Heinz Lust von LTi Drives
Renate Pilz von Pilz
Renate Pilz von Pilz
Bernhard Schmeing von ABB
Bernhard Schmeing von ABB
Die SPS/IPC/Drives ist ein Spiegelbild moderner Automatisierungskomponenten und -systeme. Daher liegt es anlässlich dieses Branchentreffs nahe, in diesem Umfeld besonders aktive Aussteller zu den technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen zu befragen. Demgemäß kommen im aktuellen Trendteil „ Trends SPS/IPC/Drives" die Anbieterunternehmen ABB, Baumüller, Bosch, Lenze, LTi Drives, Panasonic, Phoenix Contact, Pilz und Siemens zu Wort, deren Experten sich allesamt als Messebeiräte engagieren.

Die SPS/IPC/Drives ist ein Spiegelbild moderner Automatisierungskomponenten und -systeme. Daher liegt es anlässlich dieses Branchentreffs nahe, in diesem Umfeld besonders aktive Aussteller zu den technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen zu befragen. Demgemäß kommen im aktuellen Trendteil „Trends SPS/IPC/Drives" die Anbieterunternehmen ABB, Baumüller, Bosch, Lenze, LTi Drives, Panasonic, Phoenix Contact, Pilz und Siemens zu Wort, deren Experten sich allesamt als Messebeiräte engagieren.

eA: Welches sind aktuell die drängendsten Praxisprobleme im Produktionsbereich und mit welchen Technologien bzw. Lösungen lassen sich diese heute schon lösen?

Baumüller: Die Automatisierungsbranche wird derzeit mit zwei Hauptproblemen aus der Produktionspraxis konfrontiert: Zum einen müssen Maschinen und Anlagen wegen der Dezember 2009 in Kraft tretenden Neuen Maschinenrichtlinie erhöhte Sicherheitsanforderungen erfüllen, gleichzeitig aber eine hohe Wirtschaftlichkeit der Produktion sicherstellen. Ein durchgängiges Sicherheitskonzept von der Steuerung bis zum Antrieb löst diesen scheinbaren Widerspruch zu Gunsten des Maschinenbetreibers: Moderne Sicherheitslösungen ermöglichen das Rüsten auch „unter Spannung" und schaffen so zusätzliche Wertschöpfung. Zum anderen erhöht sich angesichts zunehmender Rohstoffkosten die Nachfrage nach energieeffizienter Antriebs- und Automatisierungstechnik, um entsprechende Kosteneinsparpotenziale realisieren zu können. Motoren der höchsten Energieeffizienzklasse und mit einer feinen Leistungsabstufung zwischen den einzelnen Baureihen, rückspeisefähige Umrichter und die exakte Abstimmung der einzelnen Systemkomponenten sind dabei die Voraussetzung für eine optimale Antriebsauslegung.

Bent: Zu den dringenden Anforderungen im Produktionsbereich gehört sicherlich, die Flexibilität und Produktivität zu erhöhen, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Eine technologische Lösung dafür ist es, durch durchgängige Daten-Kommunikationsstruk-turen im Unternehmen Produktionsabläufe – untereinander sowie mit den überlagerten Planungsebenen – zu integrieren. Diese durchgängige Informationsstruktur kann auch bei einer anderen wichtigen Anforderung zur Lösung beitragen, der Energieeffizienz in der Produktion. Eine durchgängige Vernetzung ist der Schlüssel für ein dynamisches Energiemanagement – einem Baustein auf dem Weg zur energieeffizienten Fertigung.

Eisenbeiss: Kürzere Time-to-market, höhere Produktivität und Effizienz und alles bei gleichbleibend hoher Qualität – das sind die Bedingungen, denen sich Maschinenhersteller und Anwender von Maschinen gleichermaßen stellen müssen. Die Antriebs- und Automatisierungstechnik hat für diese Anforderungen bereits wesentliche Tools und Konzepte entwickelt. Mit durchgängen Simulationstools für Produktions- und Werkzeugmaschinen lassen sich erhebliche Kosten- und Zeiteinsparungen bei Entwicklung und Engineering realisieren. Der modulare Aufbau von Antriebssystemen einherge-hend mit dezentraler Steuerungsintelligenz sichert die Flexibilität und Zukunftsfähigkeit von Maschinen und Anlagen. Und schließlich können über durchgängige Condition-Monitoring-Konzepte und -Tools höhere Anlagenverfügbarkeiten realisiert werden. Das alles trägt entscheidend zu höherer Flexibilität und Produktivität bei. Und last not least: Die Betrachtung der Life-cycle-cost steht mehr und mehr im Fokus. Die Automatisierungshersteller bieten für den Aspekt Energieeffizienz bereits ein ausgereiftes und durchgängiges Produktspektrum, das nur eingesetzt werden muss. Neben Drehzahlregelung von Antrieben und Energiesparmotoren wird sich vor allem die Analyse- und Steuerungssoftware weiterentwicklen und dementsprechend weitere Potenziale erschließen.

Kirchherr: Die Anforderungen an Produktionen steigen: sinkende Produktkosten, höhere Varianz. Lösen lassen sich diese mit zunehmender Automatisierung, die allerdings auch immer flexibler werden muss: schneller Produktwechsel, mehr unterschiedliche Produkte auf der gleichen Produktionslinie. Technisch ist hier vieles möglich, allerdings steigen mit zunehmender Automatisierung und Flexibilität die Komplexität und damit auch die Engineeringkosten für den Aufbau und die Wartung der Automatisierung. Statistiken aus großen, automatisierten Fabriken zeigen, dass die Kosten für das Engineering die Komponentenkosten deutlich übertreffen können. Damit liegt der Fokus heute auf der Rationalisierung im Engineering: Wie komme ich schnell und mit wenig Aufwand zur richtigen Lösung. Lenze greift dieses mit seinem L-force-Produktprogramm und seinem Lösungsansatz auf, die dazu beitragen sollen, den individuellen Aufwand für das Finden der richtigen Lösung für eine Aufgabenstellung deutlich zu reduzieren. Skalierbare Produktprogramme aus dem Baukasten, exakte Dimensionierung der Produkte für die Aufgabenstellung und leistungsfähige Engineeringwerkzeuge von der Produktwahl bis zur Inbetriebnahme sind der Schlüssel hierfür. Damit verschiebt sich die Innovation von den Produkten zum Umgang mit den Produkten, hier liegen die drängendsten Bedarfe und die höchsten Potenziale für die Zukunft.

Lust: Wichtige Themenfelder in der Praxis sind Funktionalitäten wie hohe Verfügbarkeit und Ferndiagnose/Fernwartung. Hierzu bieten die heutigen Kommunikationsmedien und Vernetzungsmöglichkeiten eine gute Basis für die Umsetzung. Ein weiterer Anforderungsbereich ist die Online-erfassung von Produkt- und Produktionsdaten über die direkte Prozessdatenerfassung im Produktionsprozess mit dem Ziel, 100 % dokumentierte Qualität ohne zusätzlichen Messaufwand zu erreichen. Eine weitere Herausforderung im Zusammenhang mit den Energiekosten ist das Thema Energieeffizienz. Der Einsatz von Frequenzumrichtern zur Drehzahlregelung anstelle von Drosseln führt zu deutlichen Einsparungen bei den Produktionskosten bei relativ kurzer Amortisationszeit.

Pilz: Als eines der wichtigsten heutigen Praxisprobleme im Bereich der Sicher-heitstechnik ist die Umgehung und Manipulation von Schutzeinrichtungen zu nennen, die insbesondere dann zunimmt, je mehr die eingesetzte Sicherheitssensorik den Arbeitsablauf bzw. die erforderlichen Wartungsarbeiten im Produktionsprozess behindert. Eine Lösung stellen überlistungssichere, codierbare Sicherheitssensoren und kamerabasierte Schutzsysteme dar, die Räume dreidimensional aus der Vogelperspektive überwachen und sich dem Arbeitsprozess optimal anpassen lassen. Zweitens zeichnen sich Sicherheitslösungen im Bereich der Steuer- und Überwachungstechnik heute durch eine reduzierte Integrationsfähigkeit und Flexibilität aus. Gefragt sind aber integrierte und aufeinander abgestimmte Lösungen für die Standardautomatisierung und Sicherheitsüberwachung, die zudem rückwirkungsfrei und offen sind. Drittens gilt es, die Verfügbarkeit bzw. Produktivität von Maschinen zu steigern, ohne dass durch die Sicherheitsfunktionen lange Wiederinbetriebnahmezeiten erzwungen werden. Servoverstärker mit integrierten Sicherheitsfunktionen reduzieren die Komplexität und sind deutlich weniger aufwändig als externe Lösungen. Bei Servo-verstärkern von Pilz sind für die Sicherheitsfunktion zudem keine zusätzlichen externen Geber erforderlich. Als eine der kommenden Herausforderungen für Anwender der Sicherheitstechnik sehen wir das Inkrafttreten der neuen Maschinenrichtlinie am 29.12.2009. Allgemein ist zu erwarten, dass durch den Umstellungsprozess die sicherheitstechnische Lösung für den Anwender nicht einfacher wird. Da die gesamte Prozesskette – Sensorik, Überwachung, Aktorik – mit mathematischen Modellen bewertet wird, sehen wir es als entscheidend an, in allen Segmenten dieser Kette vertreten zu sein.

Schmeing: Die drängensten Praxisprobleme im Produktionsbereich sind Themen wie Kabelbruch, Diagnosemöglichkeiten und Erhöhung der Verfügbarkeit von Maschinen und Anlagen. Lösungen von ABB sind hierfür beispielsweise Wisa, die drahtlose Automatisierung zur Vermeidung von Kabelbrüchen, sowie eine umfangreiche Diagnose bei der SPS AC500 auch vor Ort. Eine umfassende Diagnosefunktionalität erhöht die Servicefreundlichkeit von Maschinen und Anlagen.

Tondasch: Ein erstes Thema ist die Energieeinsparung: Ansatzpunkte gibt es im Bereich Antriebstechnik durch den Einsatz von Frequenzumrichtern und durch regenerative Energien, z.B. Photovoltaik und Wärmetauscher. Zweiter Bereich sind Produktkennzeichnungen und Datenhaltung, um die Rückverfolgbarkeit während der Produktion oder nach Auslieferung der Produkte zu gewährleisten. Geeignete Manufacturing-Execution-Systeme und Markiersysteme (Laser-Markiersysteme, RFID) sind auf dem Markt, meist scheitert es aber an deren Einführung. Ein dritter Aspekt sind flexiblere Maschinen und Systeme, um häufig ändernde Fertigungslose schnell umzustellen – also mehr Software, weniger Hardware und Mechanik.

Tragl: Aktuell stehen bei den Anwendern die Themen Energieeffizienz und Sicherheit im Fokus. Dabei erschließen branchenoptimierte Systemlösungen von Rexroth schnell und nachhaltig große Potenziale. Wir haben in unseren offenen SPS-, Motion-Logic- und CNC-Steuerungen innovative Funktionen integriert, mit denen Anwender auch in bereits installierten Maschinen das Bewegungsmanagement optimieren und damit die Energieeffizienz deutlich erhöhen können. Auch in der Sicherheitstechnik setzt Rexroth auf offene Standards für die Sicherheits-SPS und die Safe Motion. Mit dem SIL3-Funktionsmodul eröffnet Rexroth den Maschinenherstellern einen größtmöglichen Freiheitsgrad, Steuerungs-Komponenten flexibel und skalierbar so zu erweitern, dass sie genau die Sicherheitsanforderungen ihrer speziellen Anwendung optimal abdecken.

eA: Welche Technologietrends sehen Sie mittelfristig im Automatisierungs- und Antriebsbereich und wie hoch schätzen Sie deren Bedeutung ein?

Baumüller: Automatisierungs- und Antriebshersteller werden zukünftig verstärkt darauf achten müssen, als Komplettanbieter am Markt aufzutreten. Der Maschinenbauer verlangt Lösungen „aus einer Hand". Dabei spielt vor allem das Thema Software eine große Rolle: Mit einem leistungsstarken Engineering-Framework lassen sich komplexe Automatisierungslösungen und die dazugehörige Applikationssoftware einfach umsetzen. Die integrierte Funktionsbausteinbibliothek stellt dem Anwender ein Baukastensystem zur Verfügung, mit dem verschiedene Maschinenvarianten erstellt und wiederverwendet werden können. Durchgängige Optimierungs- und Diagnosefunktionen verkürzen zudem Stillstandzeiten und führen zu einer höheren Produktivität auf Betreiberseite. Kürzere Time-to-market-Intervalle sind so realisierbar. Mittels der integrierten sicheren Programmierumgebung nach IEC 61131 und der Bibliotheksfunktion auch für sichere Bausteine können Sicherheitsfunktionalitäten skalierbar in die Standard-Automatisierungstechnik eingebunden werden. Die Entwicklung geht also weg von klassischen Add-on-Lösungen hin zu integrierten Sicherheitskonzepten und effizienten Engineering-Tools, weil die Maschinenbauer in erster Linie wirtschaftliche Automatisierungskonzepte fordern.

Bent: Hier sehen wir insbesondere den zunehmenden Einfluss der IT- und Telekommunikationstechnologien auf die Automa-tion, die wir als „IT-powered Automation" bezeichnen. Diesem Trend lässt sich auch die Nutzung von Wireless-Technologien zuordnen. Eine durchgängige Vernetzung beginnt am Sensor, was bedeutet, dass auch die „letzte Meile" von der Ethernet-basierenden Kommunikation bis zum Sensor zukünftig geschlossen werden muss. Die IO-Link-Technologie ist dafür die richtige Lösung. Eine offene Kommunikationsstruktur hat leider auch den Nachteil, dass Netzwerke verwundbarer werden durch „Angriffe" von außen, aber auch von innen. Die Netzwerk-Sicherheit durch VPN- und Firewall-Technologien wird damit ebenfalls zu einem bestimmenden Thema werden.

Eisenbeiss: Vor allem im Bereich des Engineerings können integrierte Softwaretools noch Effizienzpotenziale adressieren. Die Durchgängigkeit von der Planung bis hin zu Wartungskonzepten, das ist das Ziel dieser Tools. Ein anderer Aspekt sind offene Schnittstellen. Zum Beispiel bei der Verbindung von CNC, SPS und Robotik kommt diesem Aspekt eine hohe Bedeutung zu. Mit der Anbindung von Industrierobotern an CNC- oder Produktionsmaschinen lassen sich Produktivitätspotenziale durch die Automatsierung von Beladevorgängen realisiern, was gerade für mittelständische Betriebe eine erhebliche Produktivitätssteigerung durch höhere Auslastung bedeutet. Bei Motoren ist die Entwicklung der Direktantriebe sicherlich ein Trendbereich. Gerade der Einsatz von Torque- und Linearmotoren auf der Maschinenebene erlaubt eine fle-xiblere Auslegung der Maschinen. Bei der Kommunikation werden Industrial-Wireless-Anwendungen an Bedeutung gewinnen. Das ist natürlich auch im Zusammenhang mit integrierter Sicherheitstechnik zu sehen.

Kirchherr: Die Automatisierung wird nach wie vor beeinflusst durch folgende Trends: mehr Software, mehr Kommunikation, Sicherheit integriert, Durchgängigkeit der Lösungen. Für die Antriebstechnik hat in letzter Zeit die Bedeutung der Energieeffizienz wieder zugenommen. Diese wird den Trend zum weiteren Einsatz der geregelten Antriebstechnik verstärken, d.h. wir werden mehr Umrichter einsetzen und diese können dann auch wieder zur besseren Automatisierung genutzt werden.

Lust: Eines der wichtigsten Themen in der Automatisierungsbranche sind die neuen Sicherheitsnormen (EN ISO 13849 und IEC/EN 62061) für den Maschinenbau, die ab dem ersten Dezember 2009 in Kraft treten. Diese erfordern neue Automatisierungskompo-nenten, die ebenfalls den neuen Normen entsprechen müssen. Die steigenden Anforderungen an die verwendeten Komponenten haben weitreichende Konsequenzen für den Entwicklungsprozess: Das gesamte Sicherheitskonzept kann nur mittels der Steuerungs- und Antriebskomponenten realisiert werden, was die Komplexität der Komponenten in Soft- und Hardware erheblich zunehmen lässt. Im Gegenzug dazu liegt der Vorteil für den Anwender in der Vereinfachung der Anlagentopologie. Die immer schnelleren Feldbussysteme, welche die fast unbegrenzte Datenflut an jedem Ort verfügbar machen, eröffnen die Möglichkeit, diese Daten sinnvoll zur Steigerung der Maschinenverfügbarkeit zu nutzen. Ein weiterer Punkt ist die Steigerung der Maschinenperformance durch immer häufigeren Einsatz von mechatronischen Antrieben auf der Basis von Direktantrieben. Die Systemoptimierung durch vorhergehende Strukturanalyse und Verbesserung der Maschinenmechanik durch Maschinensimula- tion eröffnet ständig Innovationen im Maschinen- und Anlagenbau.

Pilz: Ein wesentlicher technologischer Trend ist die Dezentralisierung von Steuerungsstrukturen. Die Herausforderung besteht darin, die Steuerungsfunktionen zu verteilen, ohne dass sich dadurch die Komplexität erhöht. Unser Anspruch ist, dass Lösungen noch einfacher in ihrer Handhabung werden, denn – wie durch die neuen Normen beschrieben – wird die erreichte Sicherheitsstufe auch durch die Einfachheit der Lösung bestimmt. In diesem Zusammenhang wird auch der mechatronische Modularisierungsansatz weiter voranschreiten, vor allem wenn es um die Reduzierung von Kosten geht. Der Engineering-Prozess wird sich weiter vereinfachen müssen. Der Anwender wird immer die gleiche Sicht auf unterschiedlich skalierte Lösungen bekommen. Ein weiterer wichtiger Trend der integrierten Sicherheitslösung ist speziell im Zusammenhang mit der Antriebstechnik, d.h. der „ Quelle der gefahrbringenden Bewegung", zu verzeichnen. Die Integration von Sicherheitsfunktionen wird weiter zunehmen und so dem Anwender Lösungen aus einem Guss bieten, die zur Ergonomie, Verfügbarkeit und schließlich zur Produktivität beitragen werden. Im Hinblick auf die neuen Sicherheitsnormen ist damit zu rechnen, dass der Stellenwert von in sich abgestimmten Gesamtlösungen noch wesentlich steigen wird.

Schmeing: Als mittelfristige Technolo- gietrends im Automatisierungs- und Antriebsbereich sehe ich vor allem die Themen Safety, durchgängiges Engineering sowie die einfache Integration in bestehende Anlagen.

Tondasch: Allgemeiner Trend im Automatisierungs- und Antriebsbereich sind die Energieoptimierung und -einsparung durch effizientere Systeme und Anlagen. Die Bedeutung dieser Entwicklung ist sehr hoch, es gibt ein enormes Energieeinsparpotenzial. Speziell im Automatisierungsbereich sehe ich folgende Trends: Integrierte, dezentrale Intelligenz, vernetzt durch Ethernet oder Funk, z.B. Bediengeräte mit integrierten Steuerungsfunktionen, Mechanik mit Intelligenz (Ventilknoten), intelligente E/A-Knoten, integrierte Bildverarbeitung, intelligente Antriebe, intelligente Sensoren usw. (so genannte „Embedded Produkte"; Bedeutung: hoch). Hinzu kommen Web basierende Applikationen mit gesicherter Internetanbindung, deren Bedeutung aus Wartungs- und Instandhaltungssicht hoch ist. Ebenfalls eine hohe Bedeutung kommt den modularen und produktübergreifenden Softwarestrukturen zu, die die Softwareentwicklungskosten reduzieren können. Bei der intelligenten und vernetzten Sensorik mit zentraler Datenhaltung und Parametrierfunktionen (Beispiel IO-Link) sehe ich eine mittlere Bedeutung. Der Trend wird sich nur durchsetzen, wenn die Gesamtkosten geringer oder gleich bleibend zu bestehenden Systemen liegen. Im Antriebsbereich stehen zwei Entwicklungen im Vordergrund: im Antrieb integrierte Sicherheitsfunktionalität (Bedeutung: sehr hoch; Sicherheitsanforderungen werden aber nicht in jedem Markt gleichmäßig umgesetzt) sowie die zunehmend rotatorische Antriebe ersetzenden (translatorischen) Linearantriebe (Bedeutung: hoch; höhere Dynamik und Steifigkeit der Anlagen möglich).

Tragl: Nicht nur aus Schwellenländern, sondern auch aus den etablierten Industrienationen kommt zunehmend die Forderung nach einfacher zu handhabenden Lösungen. Automatisierungshersteller müssen mehr als bisher komplexe Funktionalitäten bedienfreundlicher und unkompliziert abbilden. Rexroth-Steuerungen ersetzen darum immer häufiger das Programmieren durch Parametrisieren. Über einheitliche Engineeringtools für alle Steuerungen und intelligente Module vereinfachen wir darüber hinaus den gesamten Prozess von der Konstruktion über die Inbetriebnahme bis zur Diagnose und Wartung. Die Zukunft gehört eindeutig Steuerungen, die alle Antriebstechnologien gleichermaßen komfortabel einbinden und als Lösungen aus einem Guss die jeweiligen Vorteile optimal ausschöpfen.

eA: Wie wird sich die Branche Automatisierungstechnik aus Ihrer Sicht im kommenden Jahr wirtschaftlich entwickeln?

Baumüller: Die Automatisierungstech- nik wird sich im nächsten Jahr in einem schwierigen konjunkturellen Umfeld bewegen, in dem vor allem die produzierende Industrie mit einer angespannten Nachfragesituation zu kämpfen hat. Die Konsequenz daraus sind Produkte, die immer neuer, besser und effizienter werden müssen, um sich auf dem Markt behaupten zu können. Somit steigen die Anforderungen an die Maschinenbauer, maßgeschneiderte Maschinenkonzepte mit effizienten Automatisierungslösungen anzubieten. Dieser Trend wird verstärkt durch die in Deutschland vergleichsweise hohen Lohnkosten, die viele Unternehmen dazu zwingen, die Produktion zu rationalisieren und in die industrielle Automatisierung zu investieren. Tendenziell wird die Automatisierungsbranche also aufgrund des konjunkturellen Abwärtstrends zwar Einbußen hinnehmen müssen. Diese werden aber teilweise durch die Rationalisierungsbemühungen vieler Unternehmen und der daraus resultierenden Investitionen in effiziente Automatisierungslösungen kompensiert werden und deswegen niedriger ausfallen als in anderen Industriezweigen. Weiteres Nachfragepotenzial wird zudem durch die Energiekrise geschaffen: Hohe Rohstoffpreise, politische Rahmenbedingungen und ein gesteigertes Umweltbe-wusstsein wecken in der Industrie einen Modernisierungsbedarf mit energieeffizienter Antriebstechnik, auch für bereits installierte Maschinen und Anlagen.

Bent: Wir sehen für die Branche auch im Jahr 2009 noch eine durchaus positive wirtschaftliche Entwicklung. Der Boom der letzten Jahre wird sich etwas abschwächen – erste Anzeichen dafür sind schon jetzt in der zweiten Jahreshälfte von 2008 zu spüren. Wir gehen aber von einem einstelligen Branchenwachstum aus, das deutlich über der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung liegt. Die Automatisierungsindustrie wird von der Notwendigkeit, Produktivität zu erhöhen sowie Energieeffizienz zu üben, profitieren. Diese Anforderung besteht gerade in wirtschaftlich schwächeren Perioden. Darüber hinaus wird auch der Trend zu größerer Dezentralität der Energieerzeugung weiterhin positiven Einfluss auf unsere Branche haben, der mit der Nutzung erneuerbarer Energien einhergeht.

Eisenbeiss: Die Investitionszyklen des Maschinenbaus sind längerfristig angelegt. Deshalb wird 2009 für die Automatisierungstechnik weiter auf einem hohen Niveau bleiben. Allerdings wird sich das Wachstum nicht zuletzt angesichts der Verknappung der Finanz- und Kreditmittel verlangsamen. Aber Phasen langsameren Wachstums sind immer Phasen intensiver Arbeit an neuen Maschinenkonzepten. Angesichts der gerade skizzierten technologischen Potenziale können wir als Automatisierungspartner für den Maschinenbau mithelfen, wesentliche Weichen zu stellen.

Kirchherr: Generell haben die Automatisierungstechnik und daran gekoppelt die elektronische Antriebstechnik ein konti- nuierliches Wachstum. In den letzten vier Jahren haben wir einen Boom erlebt, wie er lange nicht mehr dagewesen ist. Solch eine lange Periode hohen Wachstums kann nicht ewig anhalten, und so erleben wir seit 2008 deutliche Rückgänge der Wachstumsraten. Auch die momentane Krise an den Finanzmärkten, deren Dauer und Tiefe noch gar nicht abzusehen ist, wird Investitionsentscheidungen, die ja immer die Basis für den Einsatz von Automatisierung sind, mindestens behindern. Daher rechnen wir für 2009 mit einer deutlichen wirtschaftlichen Abkühlung in der Automatisierungstechnik.

Lust: Mit ca. 18 % Steigerung bei LTi Drives haben wir aktuell eine sehr gute Auslastung. September und Oktober sind die bislang umsatzstärksten Monate des Jahres und auch der Auftragseingang steigt kontinuierlich. Unsere momenta- ne Situation lässt in jedem Falle eine eher positive Einschätzung der wirtschaftlichen Lage für 2009 zu. Gleichzeitig muss man aber bedenken, dass die Auswirkungen der Kapitalmarktkrise auf die wirtschaftliche Entwicklung im Investitionsgüterbereich bei den aktuellen Turbolenzen kaum abschätzbar sind. Eine deutliche Abkühlung der konjunkturellen Lage wird daher immer wahrscheinlicher.

Pilz: Allgemein gesehen wird sich die Konjunktur infolge der Finanzkrise etwas abkühlen. Auch der VDMA hat seine bisherige Wachstumsprognose in Frage gestellt. Aussagen zur wirtschaftlichen Entwicklung in 2009 sind in der momentanen Zeit schwierig zu treffen. Nichtsdestotrotz sehen wir insbesondere bei der Sicherheitstechnik nach wie vor Wachstumspotenzial. Die Schwerpunkte liegen nach allgemeinen Markterhebungen bei sicheren Steuerungsfunktionen, den konfigurierbaren Sicherheitsschaltgeräten und der sicherheitsgerichteten Antriebstechnik. Wir sehen uns damit in unserer Vorge-hensweise bestätigt.

Schmeing: Die Automation wird einen weiter steigenden Stellenwert einnehmen und immer stärker in Bereiche wie Energieeffizienz, Windenergie und Photovoltaik Einzug halten. Die Integration von Sicherheitsfunktionen in die Automation bleibt weiterhin ein wichtiges Thema.

Tondasch: Wir gehen in den nächsten Jahren von einer durchschnittlichen Wachstumsrate von ca. 3 bis 6 % bis ins Jahr 2012 aus, eventuell mit einer kleinen „Delle" in der zweiten Hälfte dieses Jahres.

Tragl: Unabhängig von den weltwirtschaftlichen Entwicklungen gibt es auch im kommenden Jahr in verschiedenen Regionen und Branchen einen großen Bedarf an leistungsfähigen, neuen Maschinen. Dabei werden vor allem die Automatisierungshersteller ihren Umsatz halten oder steigern können, die mit passenden Produkten und Lösungen klare Vorteile bieten.

zg

ABB (SPS/IPC/Drives: 4-420) eA 488

Baumüller (1-310) eA 489

Bosch Rexroth (7-450) eA 490

Lenze (1-360) eA 491

LTi Drives (4-246) eA 492

Panasonic (9-329) eA 493

Phoenix Contact (9-131) eA 494

Pilz (9-350) eA 495

Siemens (9-310) eA 496

die experten

· Günther Baumüller, Geschäftsführer der Baumüller Holding GmbH & Co. KG in Nürnberg ( www.baumueller.de )

· Roland Bent, Geschäftsführer der Phoenix Contact GmbH & Co. KG in Blomberg ( www.phoenixcontact.com )

· Heinz Eisenbeiss, Leiter Marketing & Promotion Simatic Automatisierungssysteme des Siemens-Sektors Industry in Nürnberg ( www.siemens.de/automation )

· Dr. Matthias Kirchherr, Geschäftsführer der Lenze Vertrieb GmbH in Reutlingen ( www.lenze.de )

· Karl-Heinz Lust, Geschäftsführer der LTi Drives GmbH in Lahnau ( www.lt-i.com )

· Renate Pilz, geschäftsführende Gesellschafterin der Pilz GmbH & Co. KG in Ostfildern ( www.pilz.de )

· Bernhard Schmeing, Vorsitzender der Geschäftsführung der ABB Stotz-Kontakt GmbH in Heidelberg ( www.abb.de/stotz-kontakt )

· Wolfgang Tondasch, Geschäftsführer der Panasonic Electric Works Deutschland GmbH in Holzkirchen ( www.panasonic-electric-works.de ) sowie Vorsitzender des SPS/IPC/Drives-Messebeirats

· Dr. Karl Tragl, Vorstand Vertrieb der Bosch Rexroth AG in Lohr ( www.boschrexroth.com )

eA-INFO-TIPP

Ein Highlight der SPS/IPC/Drives ist neben den vielen Produktneuheiten die Wahl zum diesjährigen Automation Award. Nähere Informationen hierzu finden Sie ab S. 26, auf dem Messestand der Konradin Mediengruppe (6-256) oder auf der folgenden Website:

· www.eA-online.de/ automationaward

18.11.2008


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