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Rexroth zum Sicherheitsrisiko pauschaler Lebensdauerkennwerte

Abweichungen als Qualitätsmerkmal

Dr. Alexandre Orth
Dr. Alexandre Orth
Seit dem Inkrafttreten der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG Ende 2009 müssen Konstrukteure nach den neuen Normen die Ausfallwahrscheinlichkeiten aller sicherheitsrelevanten Bauteile berücksichtigen und...

Seit dem Inkrafttreten der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG Ende 2009 müssen Konstrukteure nach den neuen Normen die Ausfallwahrscheinlichkeiten aller sicherheitsrelevanten Bauteile berücksichtigen und in die Performance-Level(PL)-Berechnungen einfließen lassen. Die meisten Zulieferer stellen die entsprechenden statistischen Daten bereits zur Verfügung. Warum es für Anwender dabei darauf ankommt, Pauschalwerte nicht ungeprüft zu akzeptieren und so systematische Fehler zu vermeiden, erklärt Dr. Alexandre Orth, verantwortlich für das Thema Reliability & Maintainability (R&M) in der Abteilung Qualitätsmethoden bei Bosch Rexroth ( www. boschrexroth.com ): „MTTFd ist nicht gleich MTTFd. Abweichungen einzelner Baureihen von den MTTFd-Pauschalwerten der EN ISO 13849 sind vielmehr ein Qualitätsmerkmal für die sorgfälti- ge und verantwortungsbewusste Bestimmung dieser wichtigen Kennziffern. Gerade bei komplexeren Schaltungen kann der Unterschied zwischen allgemeinen Pauschalwerten und dem tatsächlich für die eingesetz- ten Komponentenbaureihen bestimmten MTTFd-Wert erhebliche Auswirkungen auf das Er- reichen des notwendigen Perfomance Level haben. Im Zweifel muss der Maschinenhersteller darum die von den Herstellern angegebenen Pauschalwerte für ganze Produktklassen kritisch hinterfragen und selbst validieren. Normgerecht und individuell ermittelte MTTFd-Werte weichen zwangsläufig häufig und deutlich von Pauschalwerten ab, beispielsweise bei Hydraulikventilen: Der in der Norm genannte Wert von 150 Jahren bezieht sich ausschließlich auf alleinstehende Ventile. In der Praxis kommen aber z.B. häufig vorgesteuerte Ventile zum Einsatz, die aus zwei Ventilen bestehen. Nach dem von der EN ISO 13849 vorge-schriebenen „Parts-Count-Verfahren" muss der MTTFd-Wert für solche Baureihen niedriger als 150 Jahre liegen, da nun zwei Fehlerquellen zu berücksichtigen sind. In diesem Fall erkennt der Anwender schon auf den ersten Blick die Qualität und die Aussagekraft der MTTFd-Werte eines Zulieferers. Darüber hinaus fordert die EN ISO 13849 die Einhaltung sicherheitstechnischer Konstruktionsprinzipien. So müssen Komponenten nach dem Ruhestromprinzip bei Energieausfall den sicheren Zustand annehmen. Komponenten, die dies nicht erfüllen, sind trotz hoher Zuverlässigkeit nicht für sicherheitstechnische Anwendungen geeignet. Pauschalwerte können hier die PL-Berechnung schwer wiegend verfälschen. Ähnliches gilt für PFH-Werte für elektrische Steuerungen und B10-Werte für pneumatische Komponenten."

12.04.2010


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