Warum in die Ferne schweifen?
Maschinen und Anlagen werden immer häufiger an Orten betrieben, die weit vom Erstellungsort entfernt sind. Dabei müssen die Hersteller aber Service-Leistungen sicherstellen, egal wo sich die Produktion befindet. Und das gilt nicht nur im Fehlerfall, sondern auch in der Gewährleistungsphase. Ein schweizer Hersteller von Heißprägesystemen für Tuben setzt auf industrielle Router, um einen weltweiten Fernzugriff auf seine Maschinen zu haben. Durch den Einsatz dieser Technik konnten die Reisekosten für den Service um 60 % reduziert werden.
Die Schweizer Madag Printing Systems AG produziert und vertreibt Heißprägesysteme und ist Marktführer auf dem Gebiet der Tubenprägeanlagen. Produkte, die mit diesen Systemen „aufgepeppt" werden, hat jeder von uns beinahe täglich in der Hand.
Ein unbewusster Griff nach der „schönsten" Verpackung löst oft den Kauf eines Artikels aus. Gerade Kosmetikproduzenten legen deshalb größten Wert auf eine edle Verpackung. Das Erscheinungsbild muss sich deshalb vom Wettbewerb abheben; ein Eye-Catcher sein. Tuben, Kappen, Mascara, Hülsen, Flaschen und Verpackungen sind dazu mit glänzenden Aufdrucken in allen erdenklichen Farben versehen oder mit metallischer Beschichtung in den verschiedenen Gold-, Bronze- und Chromtönen ausgestattet. Um dies zu erreichen, wird in der Kosmetikindustrie in erster Linie das Heißprägeverfahren verwendet. Dabei folgt der Aufdruck nicht einfach mit Farbe sondern in Form von Folien. So erhält man ein erstklassiges Druckergebnis, das häufig auch die wirtschaftlichste Methode darstellt.
Aber nicht nur in der Kosmetikindustrie wird dieses Verfahren zum Verschönern, Beschriften und Veredeln der Produkte angewandt. Auf Medizinprodukten kommen die Folien ebenso zum Einsatz wie auf Automobilteilen oder Haushaltsgeräten.
Die Abnehmer haben hohe Ansprüche. Sie erwarten eine wirtschaftliche Produktion, kurze Umrüstzeiten und äußerste Flexibilität sowie Präzision und Produktionssicherheit. Die Tubenprägesysteme Tubeliner der Madag sind mit Simotion-Steuerungen von Siemens ausgerüstet. Alle Bewegungen der Maschinen werden über Servoantriebe gesteuert. Mit ruhigen, dynamischen Bewegungen und einer hochauflösenden Positionierkamera kann eine extreme Prägegenauigkeit selbst bei maximaler Leistung sichergestellt werden. Die Maschinen können bis zu 200 Tuben pro Minute bearbeiten.
Weltweiter Service für eine zuverlässige Produktion
Die Anlagen sind weltweit im Einsatz, in den USA ebenso wie in Thailand, Japan, Australien, Österreich oder Indonesien. Zukünftig werden auch in Ungarn und Spanien Tuben mit Maschinen aus dem Hause Madag veredelt. Egal, wo sich die Anlage befindet – der Anwender erwartet Service-Leistungen. Ein einwandfreier technischer Service ist Voraussetzung, um eine konstante Produktion zu erreichen. Madag bietet seinen Kunden daher einen Full-Service. Ein Team von Spezialisten kümmert sich um die internationale Kundschaft und steht für Service, Ersatzteildienst und Telefonsupport zur Verfügung. Für sämtliche Madag-Anlagen werden Revisionen, Umrüstungen, Schulungen oder Serviceeinsätze vor Ort angeboten. Aber was tun, wenn der Telefon-Support nicht weiterhelfen kann und die Anlage am anderen Ende der Welt steht? Die Lösung ist der Zugriff auf die entfernte Anlage von der Firmenzentrale aus via Industrierouter.
Fernwartung, also der Zugriff auf eine Station, die sich nicht im eigenen (lokalen) LAN, sondern in einem anderen (remote) LAN befindet, kann eine enorme Zeit- und Kostenersparnis bedeuten, vor allem, wenn der Serviceeinsatz mit Reisen verbunden wäre. Häufig wird die Fernwartung mittels Modem und entsprechenden TS-Adaptern umgesetzt. Für Madag kam diese Lösung mit dem Umstieg von der Siemens S7 auf die Simotion-Steuerungen allerdings nicht mehr in Frage. „Wir suchten eine besseres, betriebssicheres und schnelleres System. Bei Modems benötigt man in den unterschiedlichen Ländern verschiedene Typen. Wir wollten aber eine einheitliche Lösung. Aus diesem Grund kam für uns nur ein Router in Frage, der industrietauglich und betriebssicher ist und auch für analoge Telefonanschlüsse verwendet werden kann. Betriebssicherheit ist bei uns ganz wichtig. Mit den günstigen Modems, die auf dem Markt angeboten werden, hätten wir das nicht gewährleisten können", so Xaver Stöckli, Madag-Geschäftsführer. Bei Madag ist der Router Echoroute von Inat standardmäßig im Schaltschrank der Tubenprägemaschine eingebaut. Das Gerät ist hier mit der Siemens-Simotion und dem angeschlossenen Panel verbunden.
Echoroute ist ein Router, den es sowohl in einer analogen Ausführung für das analoge Telefonnetz als auch in einer ISDN-Version für das digitale Telefonnetz gibt. Dazu ist ein analoges Modem beziehungsweise ein ISDN TA-Adapter integriert. Darüber ist die sichere Einwahl mittels einer Standard-PPP-Verbindung möglich.
Der Router unterstützt die Verbindungsarten Dial-In (Anruf annehmen) und Dial-Out (Wählen). Die Wählverbindung kann sowohl sofort als auch bei Bedarf (Dial-on-Demand) hergestellt werden. Das Annehmen eines Anrufs ist mit oder ohne Callback-Funktion – auf Anruf warten und dann zurückrufen – möglich. Die Authentifizierung kann per Pap, Chap, MS-Chap oder MS-Chap2 erfolgen.
Echoroute leitet die Datenpakete mittels NAT-Verfahren an das gewünschte Ziel weiter. Dabei werden die Adressinformationen – automatisiert und transparent – in den Datenpaketen durch andere ersetzt. Für eingehende Verbindungen lassen sich zudem Regeln zur Portweiterleitung definieren (Port Forwarding). Dabei werden Daten, die auf einem bestimmten Port eingehen, an einen bestimmten Rechner (das heißt an eine bestimmte IP-Adresse) und eventuell einen anderen Port im Netzwerk weitergeleitet.
Netzwerkagent begibt sich auf Fehlersuche
Echoroute ist von Haus aus mit einem Netzwerkagenten ausgestattet, der die Fehlersuche im Industrial Ethernet erheblich erleichtert. Der Agent ist Teil des modularen Protokoll-Analysators Netspector, der die Protokoll Analyse im Switched Ethernet von einem zentralen Punkt aus ermöglicht. Anzeigeeinheit und Recording Agent arbeiten unabhängig voneinander und sind an unterschiedlichen Orten einsetzbar.
Die Anzeigeeinheit ist die Benutzeroberfläche, mit der die Datenaufzeichnung gesteuert wird und die aufgezeichneten Daten angezeigt werden. Der Recording Agent ist für die eigentliche Aufzeichnung (Capture) zuständig. Auf der Remote-Station zeichnet der Recording Agent den Netzwerkverkehr auf und sendet ihn bei Bedarf an die Anzeigestation. So lässt sich die Darstellungseinheit auf der lokalen Workstation betreiben, während die Aufzeichnung remote stattfindet.
NetSpector wurde speziell für das industrielle Ethernet entwickelt. Dazu unterstützt er die in der Industrie verbreiteten Protokolle wie Modbus on TCP, ISO on TCP (RFC1006), Ethernet/IP, Sinec H1 oder S7/S5. Aber auch Standardprotokolle wie Net BEUI, Netbios, Telnet, TCP/IP usw. sind möglich. Nach dem Start werden über die Capture Engine alle Telegramme erfasst und mit Angabe der Quelle und des Ziels in der Stationsliste dargestellt. Somit wird angezeigt, wer mit wem kommuniziert. Auch die eingesetzten remote Agenten werden erfasst und wiedergegeben. Aus der Liste kann dann das gewünschte Telegramm selektiert werden. Dabei ist die farbliche Gestaltung der Telegramme besonders hilfreich, die den Benutzer bei der gezielten Suche nach bestimmten Telegrammen unterstützt. Das Telegramm kann voll dekodiert dargestellt werden.
Ist bei Madag der Supportfall am Telefon zunächst nicht lösbar, wählt der Techniker die Nummer des Echoroute und sich damit in die entfernte Anlage ein. Nun hat er Zugriff auf alle Steuerungsdaten – ganz so, als wäre er vor Ort. Es können Diagnosen von Antrieben gefahren werden oder andere wichtige Parameter der Maschine wie Drehzahlen oder Beschleunigung analysiert werden. Updates können eingespielt oder Programmänderungen vorgenommen werden. Der entscheidende Vorteil ist die Minimierung der Reisekosten. Bei Madag hat sich der Einsatz der Router bezahlt gemacht. Etwa 30 % aller Supportanfragen können telefonisch abgewickelt werden, 60 % der Servicefälle werden via Echoroute gelöst. Vor Ort-Einsätze sind nur noch in 10 % der Fälle nötig.
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Nadine Haid ist Technische Redakteurin bei der Inat GmbH in Nürnberg (www.inat.de)
eA-INFO-TIPP
Der Router Echoroute dient dazu, einen Remote Access auf Systeme herzustellen, die in ein fremdes LAN eingebunden sind. Mehr zum Thema LAN bietet die Zeitschrift Lanline. Das Magazin liefert umfangreiche Informationen für Netzwerkspezialisten, Systembetreuer und Telekommunikationsspezialisten.
www.lanline.de
Ohne Titel
praxis plus
Über den industrietauglichen Router Echoroute lassen sich Maschinen und Anlagen warten, die sich weit entfernt vom Servicetechniker befinden. Das Gerät erlaubt einen sicheren und schnellen Zugriff über eine Telefonverbindung und ist sowohl in einer analogen als auch in einer ISDN-Version erhältlich. Damit ist es möglich, Mess-, Steuer- und Prozessdaten zu visualisieren sowie Befehle direkt in eine entfernte SPS zu übertragen und so Störungen und Fehler zu beheben, ohne dass Reisekosten anfallen.
