Erfolgreich zum Messegeburtstag
Dass die Bildverarbeitungsbranche nicht nur erfolgreich ist, sondern sogar mit Rekordzahlen aufwarten kann, verdeutlicht Dr. Olaf Munkelt, Vorsitzender des VDMA-Bereichs Industrielle Bildverarbeitung und Geschäftsführer von MVTec Software: „Die Bildverarbeitungsindustrie befindet sich in einer ausgezeichneten Verfassung. Unsere Prognose von 20 % Umsatzplus für 2011 ist exakt eingetreten. Damit erreichten die deutschen Bildverarbeiter einen Allzeit-Rekordwert für den Branchenumsatz von 1,5 Mrd. Euro. Die fulminanten Wachstumsraten in beiden Jahren führten zu Kapazitätsengpässen. In der Folge stellten viele Unternehmen zusätzliche Mitarbeiter ein. Im Schnitt weitete unsere Branche 2011 ihre Beschäftigtenzahl um 12 % aus. Ein erfreuliches Signal für die Zukunft unserer Branche." Nach einem starken ersten Quartal 2012 stabilisiert sich die weitere konjunkturelle Entwicklung der deutschen Bildverarbeitung auf hohem Niveau. Erste Anzeichen für einen erhöhten Auftragseingang von zyklischen Anwenderbranchen insbesondere bei den Komponentenherstellern lassen für das zweite Halbjahr ein weiteres moderates Wachstum erwarten. Falls makroökonomische Schocks ausbleiben, prognostiziert der VDMA-Bereich Industrielle Bildverarbeitung 2012 ein weiteres Umsatzplus von 5 % auf dann 1,6 Mrd. Euro. Kamen in den Vorjahren Wachstumsimpulse verstärkt aus dem Ausland, so konnte der Inlandsmarkt 2011 Schritt halten und wuchs mit 21 % sogar geringfügig stärker als die Exporte (+19 %). Durch die starke Exportorientierung der deutschen Industrie dürften im Inlandsgeschäft größere Anteile indirekter Exporte enthalten sein – z.B. durch in Deutschland hergestellte und für den Export bestimmte Maschinen und Anlagen mit integrierter Bildverarbeitung. Schwächen hingegen zeigte die Nachfrage aus Europa. Die Lieferungen in die europäischen Märkte (ohne Deutschland) stiegen mit knapp 9 % deutlich unterproportional. Als Folge sank der Umsatzanteil der europäischen Exportmärkte von fast 25 % auf gut 22 %. Der Abstand zur zweitgrößten Exportregion Asien (mit einem Anteil von nun 17 %) verringert sich damit weiter. Sollte diese Entwicklung anhalten, so wird Asien die europäischen Absatzmärkte in naher Zukunft übertreffen. Die drittgrößte Exportregion – Nord- und Südamerika – wuchs 2011 am stärksten und erreicht nun wieder einen Anteil von gut 13 %.
Die positiven Aussichten für 2012 stimmen den VDMA-Bereich Industrielle Bildverarbeitung als ideell-fachlichen Träger der Vision – 6. bis 8.11.2012 in Stuttgart – auch für die Entwicklung dieser internationalen Leitmesse der Bildverarbeitungs-technologie zuversichtlich. Bestätigt wird dies von Thomas Walter, Bereichsleiter Industrie & Technologie der Messe Stuttgart: „Zwei Ereignisse treffen dieses Jahr auf der Vision zusammen: Die Messe feiert 25-jähriges Jubiläum und zieht in die schönste und größte Messehalle 1 des Stuttgarter Messegeländes um. Unter dem Tenor 'One Vision' sind alle Aussteller erstmals unter einem Dach vereint. Dabei sind bereits rd. 90 % der Halle 1 gebucht, weshalb bereits jetzt zusätzliche Ausstellungsflächen im Eingang Ost angeboten werden." Damit stehen über 21 000 m2 Brutto-Ausstellungsfläche zur Verfügung, für ungefähr 360 erwartete Aussteller – davon nahezu die Hälfte aus dem Ausland. Gekennzechnet wird der diesjährige Branchentreff u.a. durch eine verstärkte Ausrichtung auf Endanwender – z.B. dank einer erneut gewachsenen 'Integra- tion Area' direkt im Eingangsbereich der Halle 1 –, eine weiter erhöhte Internationalität sowie mit der 'Medical Discovery Tour' als Special Event für nicht-industrielle Bildverarbeitung.
Natürlich steht nach wie vor die innovative Technik im Mittelpunkt der Messe; beispielsweise der von Dr. Olaf Munkel hervorgehobene, überdurchschnittlich wachsende Bereich der komplexen Systeme: Hoch integrierte Kompaktsysteme (Intelligente Kameras, Vision Sensoren) konnten in den vergangenen Jahren weit überdurchschnittliche Zuwächse verbuchen und vereinzelt hatten Voraussagen Konjunktur, die bereits die Ablösung der komplexen Systeme (z.B. applikationsspezifische) durch Kompaktsysteme sahen. Diese Voraussagen sind nicht eingetreten: 2011 wuchsen die komplexen Systeme mit +30 % wieder deutlich schneller als die Kompaktsysteme (+17 %). Mit einem Anteil am Branchenumsatz von 38 % liegen die komplexen Systeme weit vor den Kompaktsystemen, die 2011 einen Anteil von nur 8 % erreichten.
Besonders leistungsfähige Bildverarbeitung wird auch im Rahmen des BMBF-Projekts 'Adapt-Smart' gezeigt. Dessen Ziel beschreibt Alexander Simon, Geschäftsführer Entwicklung von SmartRay, als die „Entwicklung und Umsetzung einer adaptiven Systemplattform zum Einsatz von 2D- und 3D-Smartkameras in Robotik und Automation". Sein Unternehmen SmartRay steuert hierzu einen extrem kompakten 3D-Lichtschnittsensor mit integrierter Auswerteeinheit bei. Ebenfalls beteiligt am Forschungsprojekt AdaptSmart ist das Unternehmen robomotion, wie Geschäftsführer Dr. Andreas Wolf erläutert: „ Durch diese Kooperation stehen uns modernste Bildverarbeitungstechnik gepaart mit innovativer Sensorik zur Verfügung. Zum einen lassen sich nun die Anwendungen für 3D-Aufgabenstellungen überschaubarer implementieren, zum anderen ergeben sich Kostenvorteile von ca. 20 bis 30 % in der Steuerungshardware. Bei einfachen Anwendungen kann sogar ganz auf den Schaltschrankbau verzichtet werden, was erhebliche Kostensenkungspotenziale bei der gesamten Anwendung hat. Damit lassen sich in der Folge wiederum neue Märkte erschließen, die bisher die hohen Kosten von Roboteranwendungen gescheut haben. Aber nicht nur kostenseitig bieten die Smartsensoren Vorteile. Allein der geringe Platzbedarf ist häufig das Argument für deren Einsatz. So kann mit den Sensoren leicht eine Maschine nachgerüstet werden, an der kein Platz mehr für einen neuen Schaltschrank wäre." Ein Demonstrator mit der neuen Bildverarbeitungstechnik wird auf der diesjährigen Vision zu sehen sein.
