Noch immer eine Hürde
Die Umstellung auf die neue Maschinenrichtlinie 2006/42/EG und die harmonisierten Normen EN ISO 13849-1 sowie EN 62061 hat sowohl den Konformitätsprozess als auch die Gefahrenanalyse beeinflusst. Aufgabe der Konstrukteure ist es, die Strukturen sicherheitsrelevanter Steuerungen zu analysieren und zu bewerten. Doch genau diese Aufgabe stellt noch immer eine große Hürde bei der Umsetzung der aktuellen Normen dar. Zwar sind die meisten Daten verfügbar, doch liegen sie in keiner einheitlichen Form vor.
Die Beurteilung sicherheitstechnischer Parameter von Komponenten und Steuerungen ist um so entscheidender, als Fehler, die sich bei der Analyse sicherheitsrelevanter Steuerungen oder Funktionsblöcken einschleichen, zu erheblichen Veränderungen der Ergebnisse und letztendlich zu einer unerkannten Gefahr für Mensch und Maschine führen können. Deshalb ist die korrekte Ermittlung bzw. der Einsatz aller erforderlichen sicherheitstechnischen Parameter unerlässlich. Doch welche Daten benötigt der Maschinenbauer, was besagen die Werte SIL, PL, PFH, B10d, MTTFd und MTBF? Und wer liefert dem Anwender diese Angaben?
Dass diese Informationen en im Wesentlichen verfügbar sind, belegen auch die Expertenaussagen im aktuellen Trendinterview (S. 22). Je komplexer ein Bauteil konzipiert ist, desto höher ist jedoch der Aufwand, eine hinreichende Validierung durchzuführen. Oft werden nach Auskunft der Befragten jedoch Sicherheitsketten falsch zusammengestellt oder aber Sicherheitskennwerte weisen aufgrund unscharfer Regeln erhebliche Streubereiche auf. Dies gilt beispielsweise dann, wenn hohe Schaltzyklen elektromechanischer Komponenten zu beachten sind, sodass die Ingenieure oft Kennwerte selbst beschaffen oder adaptieren und mit hohen Sicherheitsaufschlägen versehen müssen.
Sind im nächsten Schritt die sicherheitsgerichteten Parameter bekannt, als Datenblatt liefer- oder von den Internetseiten der Komponentenherstellers downloadbar, müssen sie in ein geeignetes Berechnungstool übertragen werden. Sistema vom IFA/BGIA ist ein solches Tool, das Hilfestellung bei der Bewertung der Sicherheit von Steuerungen bietet. Es ist jedoch nur eins von mehreren und wird nicht von jedem Komponentenhersteller mit einer entsprechende Bibliothek unterstützt. Da die Daten insgesamt nicht in einheitlichter Form vorliegen, stellt die Eingabe oder Übernahme in ein solches Tool eine potenzielle Fehlerquelle dar. Wunsch des VDMA als Repräsentant der Anwender ist es deshalb, alle Kennwerte sicherheitsgerichteter Komponenten möglichst vieler Hersteller in einer einheitlichen, elektronisch nutzbaren Form zur Verfügung zu stellen. Der Verband hat deshalb die Erarbeitung des Einheitsblatts „Funktionale Sicherheit" initiiert (s. Seite 28). Ob aufgrund der Zuverlässigkeit ein zunehmender Ersatz mechanischer Bauelemente durch elektronische Safety-Lösungen stattfindet, beurteilen die Experten differenziert.
INFO-TIPP
Die neue EG-Maschinenrichtlinie 2006/42/EG muss seit 29.12.2009 für alle Maschinen angewendet werden, die im Europäischen Wirtschaftsraum in Verkehr gebracht werden. Um eine einheitliche Anwendung der Maschinenrichtlinie zu erreichen, hat die europäische Kommission zusammen mit den Mitgliedstaaten einen Leitfaden zur Maschinenrichtlinie erarbeitet:
· www.dguv.de/dguv-test/ de/aktuelles/2010/Q2/07_ Leitfaden_Maschinenrichtlinie/ index.jsp
