Integration und Handhabbarkeit im Fokus
elektro Automation: Welches sind aktuell die drängendsten Praxisprobleme im Produktionsbereich und mit welchen Technologien bzw. Lösungen lassen sich diese heute schon lösen?
Adolphs: Die Herausforderungen an die Automatisierungstechnik sind je nach Anwendung grundsätzlich unterschiedlich. Ein Thema, welches aber für fast alle Bereiche des Maschinenbaus wichtig ist, ist die Umstellung der Maschinenrichtlinie auf den probabilistischen Ansatz nach IEC 61508 und ISO 13849-1. Dies bedeutet ein Umdenken bei der sicherheitstechnischen Auslegung und schafft somit zunächst einmal große Probleme. Mittelfristig bietet dieser Ansatz aber bisher noch ungeahnte Möglichkeiten, da er bei geeignetem Aufbau auch die Verwendung von nicht sicherheitsgerichteten Komponenten zulässt. Um den Anwender bei dieser Aufgabe zu unterstützen, bietet Pepperl+Fuchs entsprechende Beratungsleistungen an und kann heute schon für eine große Zahl der eigenen Sensoren die sicherheitstechnischen Kennwerte (wie MTTFd) bereitstellen.
Baumüller: Zwei Hauptprobleme konfrontieren die Automatisierungsbranche: Zum einen gibt es mit der Maschinenrichtlinie erhöhte Sicherheitsanforderungen, aber gleichzeitig soll weiterhin eine hohe Wirtschaftlichkeit in der Produktion gewährleistet bleiben. Dass Maschinen trotz höherer Sicherheitsanforderungen produktiv sind, lässt sich z.B. durch den Einsatz von antriebsintegrierten Sicherheitskonzepten lösen. Zum anderen gibt es ein verstärktes Interesse an energieeffizienter Antriebs- und Automatisierungstechnik, bedingt durch steigende Energiekosten und zunehmendes Umweltbewusstsein. In diesem Bereich wird es künftig weitergehende Energieeffizienz-anforderungen an Motoren, Umrichter und Antriebssysteme geben. Für den Erfolg der Energieverbrauchsoptimierung muss die gesamte Topologie einer Anlage betrachtet werden. Die Voraussetzung für eine opti-male Antriebsauslegung sind Motoren der höchsten Energieeffizienzklassen und einer feinen Leistungsabstufung zwischen den Baureihen, rückspeisefähige Umrichter sowie die exakte Abstimmung der Systemkomponenten.
Bent: Neben dem Wunsch nach weiterer Integration durch Vernetzung, d.h. MES oder BDE, müssen jetzt neue Konzepte für Safety erarbeitet werden, die seitens der überarbeiteten Maschinenrichtlinie vorgeschrieben sind. Ressourceneffizienz ist eine große Herausforderung und verspricht hohe Einsparpotenziale. Darüber wird derzeit konkret im Bereich der Energieeffizienz diskutiert. Aber auch Automatisierungslösungen können Fertigungsmethoden unterstützen, die sparsamer im Umgang mit Material sind.
Eisenbeiss: Die Konjunktur hat in fast allen Branchen spürbar angezogen, die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Jetzt profitieren die Unternehmen am meisten, die Aufträge effizient abarbeiten können. Potenziale im Maschinen- und Anlagenbau sind vor allem im Bereich der durchgängigen Engineeringprozesse vorhanden, von der Planung bis zur Inbetriebnahme, sowie im Bereich der Servicekonzepte, beispielsweise bei Fernwartung oder Kooperationsmodellen. Auf der Seite der Anlagenbetreiber liegen die Potenziale in der Transparenz der Ferti-gungs-KPIs (Key Performance Indicators) und der damit einhergehenden Kostentransparenz sowie in den Bereichen des Energie- und Assetmanagements.
Haack: Unsere Kunden und wir müssen in dieser sich rasant verändernden Welt immer schneller am Markt sein, um erfolgreich zu sein. Das spiegelt sich auch im Produktionsbereich wider, für den Rexroth innovative Lösungen bietet, die höchste Performance mit Sicherheit und Energieeffizienz verbinden. Was dabei zählt, ist Einfachheit, die bei Engineering und Inbetriebnahme beginnt: Auf der SPS/IPC/Drives stellen wir mit Easy Handling z.B. einen Baukasten für Achssysteme zur Verfügung, mit dem sich Handhabungslösungen schnell und einfach umsetzen lassen. Auch die Themen Maschinensicherheit und Energieeffizienz stehen weiter ganz oben auf der Agenda. So stellen wir im Rahmen des Ausbaus der Rexroth Control City in diesem Jahr u.a. unsere steuerungsbasierte Sicherheitslösung SafeLogic compact vor.
Lauber: Gemäß einer breit angelegten Umfrage der Unternehmensberatung Roland Berger von 2010 sehen die Anwender neben dem „alten" Thema Maschinensicherheit vor allem Energieeffizienz und Daten-/Informationstransparenz im Produktionsprozess als größte Herausforderungen. Beim Thema Energieeffizienz sollten konsequent busfähige Energiezähler in die Anlagen/ Maschinensteuerung eingebunden werden. Über Modbus ist das an praktisch jede Art von Steuerung möglich. Für eine grundsätzlich gesicherte Daten-/Informationstransparenz sollten alle elektronischen Geräte einer Anlage über weltweit akzeptierte und verbreitete Web- sowie IT-Standards wie Ethernet, http, FTP, CGI Bin verfügen. Alle Daten sollten in allen Geräten direkt im Excel- und EDV-kompatiblen CSC-Format vorliegen; also keine Softwaretreiber, Gateways und Middleware mehr erforderlich sein.
Lust: Der Bereich der Elektronikproduktion ist insgesamt bereits sehr ausgreift und hochautomatisiert. Mittlerweile können immer kleinere und komplexere Bauteile automatisch verarbeitet werden. Vollauto-matische optische Prüfsysteme sind heutzutage Stand der Technik und sorgen für reibungslose Produktionsabläufe. Die größten aktuellen Herausforderungen, die uns auch in den nächsten Jahren weiter beschäftigen werden, liegen in den Bereichen Bauteilebeschaffung und Logistik. Innovationen im Produktionsbereich beschäftigen sich daher in erster Linie mit der Optimierung der Verfügbarkeit und niedriger Lagerbestände von Bauteilen. Wer hier ein gutes System mit Frühwarnmechanismen installiert hat und so mit überschaubarem Lagerbestand jederzeit lieferfähig ist, kann als hoch innovativ bezeichnet werden.
Pilz: Als erstes ist die Manipulation von Schutzeinrichtungen zu nennen, die insbesondere dann zunimmt, je mehr die eingesetzte Sicherheitssensorik den Arbeitsablauf im Produktionsprozess behindert. Eine Lösung stellen überlistungssichere, codierbare Sicherheitssensoren und kamerabasierte Schutzsysteme dar, die Räume dreidimensional aus der Vogelperspektive überwachen und sich dem Arbeitsprozess optimal anpassen lassen. Zweitens zeichnen sich Sicherheitslösungen im Bereich der Steuer- und Überwachungstechnik heute durch eine geringe Integrationsfähigkeit und Flexibilität aus. Gefragt sind aber integrierte und aufeinander abgestimmte Lösungen für die Standardautomatisierung und Sicherheitsüberwachung, die zudem rückwirkungsfrei und offen sind. Drittens gilt es, die Verfügbarkeit bzw. Produktivität von Maschinen zu steigern, ohne dass durch die Sicherheitsfunktionen lange Wiederinbetriebnahmezeiten erzwungen werden. Servoverstärker mit integrierten Sicherheitsfunktionen reduzieren die Komplexität und sind deutlich weniger aufwändig als externe Lösungen. Bei Servoverstärkern von Pilz sind für die Sicherheitsfunktion zudem keine zusätzlichen externen Geber erforderlich.
Wolf: Nachdem dieses Jahr im Maschinenbau und damit auch bei uns Automatisierern deutlich besser läuft als erwartet, ist eines der größten Probleme die Bauteilbeschaffung für elektronische Schaltungen. Hier haben alle Anbieter derzeit mit begrenzten Ressourcen ihrer Zulieferer zu kämpfen, was naturgemäß zu langen Lie-ferzeiten und erhöhten Preisen führt. Jetzt gilt es, die Versorgungssicherheit von Top-Kunden zu gewährleisten und die Aufschwungswelle zu nutzen, um aktiv neue Marktanteile zu erorbern. Generell sehen wir in der Produktion einen ungebrochenen Trend zu immer variableren Maschinen und Anlagen, die trotz zunehmender Funktionalität und Flexibilität dem globalen Preisdruck widerstehen müssen. Hier hilft es nicht, die Preise immer noch weiter zu drücken. Gefragt sind Konzepte, die dem Kunden Mehrwert bringen, sowohl produkt- als auch vertriebsseitig. So hat Turck z.B. mehrere Partner aus der Schokoladenindustrie an einen Tisch gebracht und mit ihnen gemeinsam ein branchenspezifisches RFID-Konzept erarbeitet, das die gesamte Wertschöpfungskette vom Formenbauer über die Anbieter von Herstellungs- und Reinigungsmaschinen bis zum Endkunden durchzieht. So profitieren alle Beteiligten von optimal aufeinander abgestimmten Prozessen, die auf allen Seiten zu Einsparungen führen.
Ziesemer: Es gibt einiges zu tun. Opera- tional Excellence ist immer ein Thema. Der starke internationale Wettbewerb, in welchem unsere Kunden stehen, verschärft die Anforderungen, mit geringen Kosten perfekte Qualität zu produzieren. Die Energiekosten sind ein Thema. Der Preis für Strom und Primärenergien steigt, und dazu kommen die Ziele, CO2-Emissionen zu reduzieren. Nehmen wir als Beispiel die Zementindustrie. Dort betragen die Energiekosten 37 % der Gesamtkosten, in der Chemie immerhin um die 15 bis 20 % und auch in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie sind es noch 6 bis 8 %. Dann geht es um Basisautomation. Es ist ein Fakt, dass Anlagen außerhalb der klassischen Industrieländer in Europa, Japan und Nordamerika anders und einfacher automatisiert werden. Dem müssen wir gerecht werden. Das beinhaltet aber keinesfalls Kompromisse beim Thema Sicherheit oder beim Umweltschutz.
elektro Automation: Welche Technologietrends sehen Sie mittelfristig im Automatisierungs- und Antriebsbereich und wie hoch schätzen Sie deren Bedeutung ein?
Adolphs: In der Sensorik geht der Trend ganz klar in Richtung „ Messen statt Tasten". Wie von der Ultraschall-Sensorik gewohnt, wird auch in der Optoelektronik das grundlegende physikalische Prinzip von Tastern in der Zukunft ein Messverfahren sein. Für kurze Reichweiten ist das die Triangulation, auf höhere Distanzen wird es wohl die Puls-Laufzeit-Messung sein. Beide Verfahren liefern einen Entfernungswert zum Objekt. Dieser wird dann für einfache Anwendungen noch im Sensor in ein Schaltsignal umgewandelt und wie gewohnt zur Steuerung übertragen. Allerdings gehen wir davon aus, dass es immer mehr Anwendungen geben wird, wo der Messwert mithilfe einer intelligenten Schnittstelle digital weitergegeben wird. Damit erschließen sich ganz neue innovative Möglichkeiten für die Funktionalität der Maschine. Der aussichtsreichste Kandidat für diese „smarte Schnittstelle" ist derzeit sicherlich IO-Link.
Baumüller: Automatisierungs- und Antriebshersteller müssen verstärkt darauf achten, sich als Komplettanbieter zu positionieren, d.h. Lösungen aus einer Hand anzubieten. Eine Schlüsselrolle spielt dabei das Thema Software. Ein leistungsstarkes Engineering-Framework erlaubt es, komplexe Automatisierungslösungen und die entsprechende Applikationssoftware effektiv umzusetzen. Durchgängige Automatisierungs- und Diagnosefunktionen optimieren Betriebskosten und führen zu höherer Produktivität. So sind kürzere Time-to-market-Intervalle realisierbar. Sicherheitsfunktionalitäten lassen sich mittels der integrierten sicheren Programmiergebung nach IEC 61131 skalierbar in die Standard-Automatisierungstechnik einbinden. Der Trend geht weg von Add-on-Lösungen, hin zu integrierten Sicherheitskonzepten und effizienten Engineering-Tools. Ein weiterer großer Trend ist das Thema Elektromobilität.
Bent: Die skizzierten Praxisanforderungen fördern den Einsatz von Ethernet-basierter Kommunikation und WLAN. Neu hinzu kommen dezentrale, netzwerkbasierte Safety-Konzepte wie SafetyBridge von Phoenix Contact, die sich auch in Richtung Antriebstechnik erweitern lassen. Weitere Trends sind der Wunsch nach mehr Human-Machine-Interfaces und einfacherer Bedienung. Neue Technologien wie ProfiEnergy unterstützen auch hier Konzepte für energieeffiziente Automatisierungslösungen.
Eisenbeiss: Treibender Faktor sind die immer spezifischeren Anforderungen der Endverbraucher. Dies führt zu wachsender Produktvielfalt, die flexiblere Produktionsanlagen erfordert. Für den Lebenszyklus einer Anlage sind schneller Return on Invest, verbesserte Wettbewerbsfähigkeit und kürzere Markteinführungszeiten gefordert. Automatisierung leistet hierbei einen immer wertvolleren Beitrag. Die Technologietrends sind im zunehmenden Maße Software-orientiert, z.B. durchgängige Planungs-, Projektierungs- und Wartungs-Tools entlang der Arbeitsprozesse – mit einheitlicher Bedienerführung und ohne Mehrfacheingabe von Daten; oder auch der steigende Bedarf an Anlageninformations- und MES-Lösungen. Zudem werden die Automatisierungs- und Antriebsprodukte einen zunehmenden Beitrag zur Energieeffizienz leisten müssen.
Haack: Um die Kundenanforderungen von morgen zu erfüllen, müssen die klassischen Steuerungs- und Antriebstechnologien immer weiter zusammenwachsen, sich immer besser ergänzen und noch offener werden. Als Rexroth haben wir dafür beste Voraussetzungen, weil wir alle Technologien beherrschen und wissen, was in ihnen steckt. Bestes Beispiel sind unsere elektrisch-hydraulischen Lösungen, die das Optimum aus beiden Technologien vereinen. Für ei- ne herstellerunabhängige und schnelle Kommunikation setzt Rexroth auf die offene und echtzeitfähige Buslösung Sercos III, die durchgängig für alle CNC-, SPS- und Motion-Control-Lösungen verfügbar ist.
Lauber: Die Alterspyramide wird zu immer weniger Fachpersonal für die Produktionstechnik führen. Dies wird Lean-Automation-Technologien fördern, also Techniken, die geringe Komplexität und wenig Problempotenzial haben. Einarbeitungszeiten und Fehlerrisiken werden ein entscheidendes Kriterium werden. Produktionsanlagen werden immer mehr ohne Personal nur fernüberwacht arbeiten. Hier wird die komplette nahtlose Integration von Web- und IT-Technologie ebenso wichtig sein wie der Verzicht auf proprietäre Systemwelten.
Lust: Ein Trend, der durch die Normvorgaben im Bereich Sicherheitstechnik Einzug in die Antriebs- und Automatisierungstechnik gehalten hat, ist die immer stärkere Integration unterschiedlichster Technologien in einer Einheit. Dort, wo es vor wenigen Jahren noch einzelne Sicherheitskomponenten an verschiedensten Stellen im Schaltschrank gab, werden in Zukunft alle Komponenten für sich den hohen Sicherheitsanforderungen entsprechen müssen, sodass der gesamte Zusatzkomponentenbereich entfällt. Hier ist der Trend hin zur steigenden Bedeutung von Softwarelösungen unübersehbar. Vor dem Hintergrund der Globalisierung und des damit verbundenen wachsenden Wettbewerbs in den Bereichen Maschinenbau sowie Antriebs- und Automatisierungstechnik geht ein weiterer Trend dahin, stärker kundenspezifisch optimierte Automatisierungslösungen einzusetzen, um die Position als Marktführer zu halten.
Pilz: Ein wesentlicher Trend ist die Dezen-tralisierung von Steuerungsstrukturen. Die Herausforderung besteht darin, die Steuerungsfunktionen zu verteilen, ohne dass sich dadurch die Komplexität erhöht. Unser Anspruch ist, dass Lösungen noch einfacher in ihrer Handhabung werden, denn – Einfachheit ist Sicherheit. In diesem Zusammenhang wird auch der mechatronische Modularisierungsansatz weiter voranschreiten, vor al-lem wenn es um die Reduzierung von Kosten geht. Der Engineering-Prozess wird sich weiter vereinfachen müssen. Der Anwen- der wird immer die gleiche Sicht auf unterschiedlich skalierte Lösungen bekommen. Ein weiterer wichtiger Trend der integrierten Sicherheitslösung ist speziell im Zusammenhang mit der Antriebstechnik zu verzeichnen. Die Integration von Sicherheitsfunktionen wird weiter zunehmen und so dem Anwender Lösungen aus einem Guss bieten. Im Hinblick auf die neuen Sicherheitsnormen ist damit zu rechnen, dass der Stellenwert von in sich abgestimmten Gesamtlösungen noch wesentlich steigen wird.
Tondasch: Nach der Krise sehen wir einen noch wesentlich deutlicheren Trend zur Energieeinsparung in allen Bereichen. Dies trifft aber insbesondere auf die Antriebstechnik zu, bei der immer höhere Wirkungsgrade erreicht werden und an Konzepten zur Energieeinsparung durch adaptive Technik gearbeitet wird.
Wolf: Ein Thema, das derzeit viel diskutiert wird, ist die drahtlose Datenübertragung. Bis man von flächendeckendem Einsatz der Wireless-Technologien sprechen kann, dürfte aber wohl noch einige Zeit vergehen. Dazu ist der unmittelbare Mehrwert in Relation zu ungelösten Fragen wie einheitlichen Standards oder Sicherheit der Übertragung für viele Anwender noch nicht hoch genug. Der Technologietrend, dessen Akzeptanzraten beim Anwender aus unserer Sicht aktuell am schnellsten steigt, ist die funkbasierte Identifikation RFID. Wir bekommen täglich Anfragen von Interessenten aus den unterschiedlichsten Branchen und haben schon die verschiedensten Lösungen installiert. Mit der RFID-Technologie profitieren die Anwender unmittelbar, sei es, dass sie Produktion und Logistik transparenter gestalten und so Einsparpotenziale heben bzw. die in vielen Bereichen geforderte Rückverfolgbarkeit garantieren oder auch ihre Produkte gegen Plagiate schützen. Die Anwender fordern hier modulare RFID-Lösungen mit applikationsoptimierten Komponenten, wie Datenträger für Hochtemperatur oder Autoklaven oder auch spezielle Schreibleseköpfe z.B. für Rollenbahnen.
Ziesemer: Bedürfnisse unserer Kunden und die Entwicklung neuer Technologien treiben die Entwicklung. Ich möchte drei Trends besonders hervorheben: Erstens das Thema Energieeffizienz. Unsere Kunden wollen hier bessere Lösungen und sie sind verfügbar. Die Industrie trägt zu ca. 1/3 zur Emission von Treibhausgasen bei. Es gibt ambitionierte Ziele der Politik; was heute noch freiwillig getan werden kann, wird morgen verbindliche gesetzliche Anforderung sein. Das Schöne für unsere Kunden ist: Die ganz überwiegende Zahl der Verbesserungen rechnet sich mit kurzen Zeiten für den ROI. Ein Beispiel: Wenn in allen deutschen Kläranlagen die Belüftung im Belebungsbecken über die Messung von Nährstoffparametern gesteuert wird, so lässt sich der Betrieb eines 500-MW-Kraftwerks in Deutschland einsparen. Zweitens: Ethernet setzt sich weiter als Kommunikationskanal der Automatisierungstechnik durch. Das betrifft nun nicht mehr allein die Verbindung der Steuerungen, von I/Os, Antrieben und anderen Leitsystemkomponenten, sondern auch die Feldgeräte. Ein von uns im letzten Jahr in den Markt gebrachtes Massedurchfluss-Messgerät mit Ethernet/IP-Protokoll ist bis heute ein großer Erfolg. Drittens: Wireless kommt – In der Prozessautomatisierung ist das vor allem Wíre-lessHart. Das ergänzt die Integration über Profibus, Hart und Foundation Fieldbus – ersetzt sie aber nicht.
elektro Automation: Wie wird sich die Branche Automatisierungstechnik aus Ihrer Sicht im kommenden Jahr wirtschaftlich entwickeln?
Adolphs: Nach dem schwierigen Krisenjahr 2009 erleben wir in diesem Jahr einen regelrechten Nachfrageboom für Automa-tisierungstechnik aus Deutschland. Getrieben wird dieser Boom nicht zuletzt durch die steigende Nachfrage nach innovativen und effizienten Maschinen aus Fernost. Aber auch im Automobilbau wird wieder investiert. Dabei spielt die Nachfrage nach Autos der gehobenen Klasse in Fernost eine nicht unerhebliche Rolle. Somit wird klar, dass die konjunkturelle Entwicklung für die kommenden Jahre in hohem Maße von der Entwicklung in China und Indien abhängig ist. Können diese Länder ihren bisherigen Kurs erfolgreich weiter gehen, dann hat die deutsche Automatisierungstechnik auch weiterhin gute Chancen sich positiv zu entwickeln. Dafür ist es aber mehr denn je notwendig, dass wir das Innovationstempo weiter steigern. Nur so können wir den Abstand zu Wettbewerbern aus anderen Ländern halten.
Baumüller: So unerwartet und schnell der konjunkturelle Abstieg kam, so kam auch der Aufschwung. Die Branche befindet sich in einer nie dagewesenen Wachstumsphase. Der Motor hierfür ist auch die starke Auslandsnachfrage. Krisen bieten immer Potenzial für Veränderungen. Diese Chance haben viele Hersteller von Antriebs- und Automatisierungstechnik in den letzten Monaten ge-nutzt und bessere, effizientere Produkte entwickelt. Weitere Veränderungsimpulse gehen von der Energiekrise aus: Hohe Energieprei-se, politische Rahmenbedingungen und das Schlagwort Klimaschutz wecken den Anspruch, die industrielle Entwicklung auf umweltschonendere Weise zu bewerkstelligen. Damit wächst der Bedarf an energieeffizienter Antriebs- und Automatisierungstechnik. Diese bietet künftig großes Wachstumspotenzial, an dem vor allem diejenigen partizipieren können mit Innovationen in dem Bereich. Auf eine Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung für das nächste Jahr möchte ich mich aber nicht festlegen, denn die vorübergehende Stabilisierung der Finanz- und Schuldenkrise ist nicht garantiert und die Stimmung könnte wieder kippen. Aber ich hoffe auf eine weitere, schnelle Erholung.
Bent: Die Automatisierungstechnik ist prädestiniert, an der Lösung vieler Problemstellungen mitzuwirken, die sich beispielsweise aus den globalen Herausforderungen wie Ressourcenverknappung, Urbanisierung und Klimawandel ergeben. Daraus resultiert ein wachsender Einsatz von erneuerbaren Energien und neuen Infrastrukturen im Bereich der Energie. Die Idee eines SmartGrid oder internationale Projekte in der Verkehrstechnik sorgen jetzt und in den kommenden Jahren für zusätzliches Wachstum in der Automatisierungsbranche. Dieses Wachstum wird regional unterschiedlich ausfallen, wobei die deutsche Industrie auch hinsichtlich ihrer Exportmärkte gut aufgestellt ist und zuversichtlich dem Jahr 2011 entgegenblicken kann.
Eisenbeiss: Wir erwarten für die gesamte Branche im kommenden Jahr eine Fortsetzung des Aufwärtstrends. Insbesondere im Maschinenbau und bei erneuerbaren Energien wird das Wachstum auf einem Niveau bleiben. Im Anlagenbau werden branchenübergreifend zurückgestellte Investitionen nachgeholt. Neue Investitionen finden vor allem im Bereich Energieeffizienz und bei Industriesoftware zur Optimierung der Planungs- und Fertigungsprozesse statt.
Haack: Die wirtschaftliche Lage im Maschinen- und Anlagenbau hat sich deutlich entspannt. Auch bei Bosch Rexroth verzeichnen wir einen Aufwärtstrend. Für die weitere Entwicklung der Branche wird Automatisierungtechnik eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen: Sie schöpft be-stehende Effizienzpotenziale aus und ermöglicht die notwendigen Innovationen, die aus dem positiven Trend eine stabile Entwicklung machen können.
Lauber: Es wird ihr gut gehen, da sie große Beiträge leisten wird, um die großen Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen; Alterspyramide und Ressourceneffizienz. Diese Herausforderungen werden die klassische Aufgabenstellung der Stei-gerung des Produktionsausstoßes in der Wichtigkeit ablösen.
Lust: In einem Zeitfenster von 20 Jahren wächst die Automatisierungstechnik kontinuierlich mit ca. 10 %. Ganz gleich, ob es im nächsten Jahr ein wirtschaftliches Hoch oder Tief geben wird, ist davon auszugehen, dass auch das Wachstum in den Jahren 2000 bis 2020 im Durchschnitt ca. 10 % ausmachen wird. Nach den starken Ausschlägen in 2008, 2009 und 2010 wird es im kommenden Jahr im Bereich der Automatisierungstechnik voraussichtlich ein stabiles Wachstum im hohen einstelligen Prozentbereich geben. Aufgrund der immer höheren Komplexität der Systeme ist mittelfristig mit einer weiteren Konsolidierung der Unternehmen zu rechnen. Für sehr kleine Unternehmen wird es in Zukunft immer schwerer werden, technologische Trends kurzfristig umzusetzen. Diese werden entweder auf engere Kooperationen untereinander zurückgreifen oder sich mit anderen Unternehmen zusammenschließen müssen.
Pilz: Nach einem sehr rasant verlaufenden Aufschwung im laufenden Jahr erwarten wir für 2011 zusammengenommen eine leichte Verlangsamung des Wachstums mit einer Marktnachfrage auf einem insgesamt hohen Niveau. Wachstumsmotoren sind u.a. insbesondere die Märkte in Indien und China. Auch anhaltende Investitionen im Automobilbereich sowie im Umfeld von erneuerbaren Energien sind Gründe. Der Bedarf nach Sicherheitstechnik wird weiter steigen, wobei insbesondere flexible und multifunktionale konfigurierbare Steuerungen sowie Sensoren mit erweiterter integrierter Funktionalität zunehmend an Bedeutung gewinnen werden.
Tondasch: Wir rechnen erneut mit einem moderaten Aufschwung von rund 5 bis 8 % im nächsten Jahr, der allerdings nicht den starken Einbruch in der Wirtschaftkrise aufholen kann. Ob die Automatisierungstechnik jemals wieder den hohen Stand vor der Krise erreichen kann, wird von den Innovationen insbesondere bei der Energieeinsparung und beim Ausbau der regenerativen Energien abhängen. Es werden immer noch Produktionsstandorte aus Deutschland verlegt.
Wolf: Wir haben ein furioses Jahr 2010 erlebt, wie es selbst von den kühnsten Optimisten nicht erwartet worden war. Der Maschinenbau hat mit Beginn des Jahres wieder Fahrt aufgenommen und mit ihm die gesamte Automatisierungsindustrie. Die Wachstumsraten liegen prozentual auf ähnlichem oder sogar höherem Niveau wie die Umsatzrückgänge im letzten Jahr, sodass selbst die guten Umsatzzahlen von 2008 wieder in erreichbare Nähe rücken. Trotzdem sollten wir uns von der Dynamik nicht blenden lassen. Wir gehen davon aus, dass der krisenbedingte Nachholeffekt nun langsam nachlassen dürfte, sodass wir im kommenden Jahr wieder auf „normale" Wachstumraten im hohen einstelligen Bereich setzen.
Ziesemer: Nach dem tiefen Einbruch in der Krise des Jahres 2009 hat sich die Automatisierungstechnik im Jahre 2010 deutlich erholt. Die Auftragseingänge des Jahres 2008 wurden teilweise bereits wieder erreicht. Wir sehen nach wie vor Investments unserer Kunden in neue Anlagen, aber auch in die Modernisierung existierender Anlagen. Wir sehen aus dem Blickwinkel der Prozessautomatisierung allerdings eine massive Verschiebung der regionalen Gewichte des Geschäfts. Die Wachstumsspitzen liegen in Asien, im Mittleren Osten, in Lateinamerika und in Afrika. Treiber des Geschäfts ist das Thema „Energie", von Öl und Gas, über erneuerbare Energien bis zu moderner Kraftwerkstechnik. Doch getrieben durch indirekten Export wächst auch das Geschäft in Europa. Wir erwarten ein gutes Geschäft im Jahre 2011. Die prozentualen Wachstumsraten werden dabei allerdings gegenüber 2010 nachlassen.
zg
