Expertenmeinungen zu Automatisierungssoftware und ihrem Markt

Automatisierung transparent!

Dr. Heinz-Ullrich Gogrewe Vice President PLC Business bei der GE Fanuc Automaion S.A., Echternach/L.
Die Automatisierungssoftware wird komfortabler, vielseitiger und leistungsfähiger. Anbindungen an über- bzw. untergeordnete Systeme stellen die Software vor neue Aufgaben. Die eA-Redaktion hat wichtige Experten der Branche befragt, um Technik- und Markt-Trends aufzuzeigen. Interessante Informationen bieten Dr. Heinz-Ullrich Gogrewe (GE Fanuc), Dr. Gerd Graf (Graf), Hans-Werner Auberg (ObjectAutomation), Siegfried Oblasser (Siemens), SØren Johansen (USData), Dieter Barelmann (Videc), Edmund Segl (Wonderware).
Dr. Heinz-Ullrich Gogrewe Vice President PLC Business bei der GE Fanuc Automaion S.A., Echternach/L.
Dr. Heinz-Ullrich Gogrewe Vice President PLC Business bei der GE Fanuc Automaion S.A., Echternach/L.
Dr. Gerd Graf Geschäftsführer der Graf Elektronik Systeme GmbH, Kempten
Dr. Gerd Graf Geschäftsführer der Graf Elektronik Systeme GmbH, Kempten
Hans-Werner Auberg Geschäftsführer der Object Automation GmbH i.G., München
Hans-Werner Auberg Geschäftsführer der Object Automation GmbH i.G., München
SØren Johansen Northern European Manager bei der USData Germany Inc., Stuttgart
SØren Johansen Northern European Manager bei der USData Germany Inc., Stuttgart
Edmund Segl Geschäftsführer der Wonderware GmbH, München
Edmund Segl Geschäftsführer der Wonderware GmbH, München

Die Automatisierungssoftware wird komfortabler, vielseitiger und leistungsfähiger. Anbindungen an über- bzw. untergeordnete Systeme stellen die Software vor neue Aufgaben. Die eA-Redaktion hat wichtige Experten der Branche befragt, um Technik- und Markt-Trends aufzuzeigen. Interessante Informationen bieten Dr. Heinz-Ullrich Gogrewe (GE Fanuc), Dr. Gerd Graf (Graf), Hans-Werner Auberg (ObjectAutomation), Siegfried Oblasser (Siemens), SØren Johansen (USData), Dieter Barelmann (Videc), Edmund Segl (Wonderware).

Einzelkomponentenlösungen gibt es gerade bei der Automatisierungssoftware immer weniger. Der Trend in Richtung "objektorientiert" nimmt zu. Werden sich in Zukunft die Produkte nur noch komplett im Paket einsetzen lassen? Gibt es Kombinationsmöglichkeiten, also ein Produkt-Mix verschiedener Anbieter?

GE Fanuc: Die Vorteile der Verwendung aller Produkte im Paket von einem Anbieter sind, daß die entsprechenden Produkte auf eine gemeinsame Datenbank bzw. -basis zugreifen können, und daß die Produkte eines Pakets in der jeweiligen Kombination miteinander getestet sind. Zudem benötigt der Kunde bezüglich Produktpaketen nur einen Ansprechpartner. Unser Visualisierungssystem Cimplicity HMI unterstützt z.B. COM/DCOM und ActiveX Controls. So kann man Konfigurationen erstellen, die auf verschiedenen ActiveX-Komponenten basieren. Über diese Technologien kann man Cimplicity HMI sehr leicht in die Produkte anderer Hersteller einbinden, z.B. in Batch-Systeme und ERP-Verbindungen. Darüber hinaus verfügen unsere SPS-Programmier-, Feldbus-Konfigurations- und Visualisierungssysteme über Import-/Export-Möglichkeiten, die auch bei einem Einsatz als Standalone-System den Austausch von Daten in Standardformate wie VSC-Liste (Comma Separated Value List) ermöglicht.

Graf: Wir arbeiten mit unseren Produkten immer in einem offenen Umfeld. Komplette "Suiten" lehnen wir ab. Wir glauben, daß allein Leistung zählt und halten es dem Anwender frei, sich seine Automatisierungskomponenten selbst zusammenzustellen. Unsere Produkte sind über freigelegte Treiber offenen Schnittstellen (Klassen oder COM/DCOM) immer offen.

ObjectAutomation: Der Trend in Richtung objektorientierter Systeme zeigt natürlich auch in Richtung offene Lösungen. Ein erster Schritt ist durch OPC bereits realisiert. Will der Anwender jedoch die nächste Stufe auf der Integrationsleiter - die durchgängige Integration - erreichen, wird man die einheitliche und einmalige Konfiguration in einem Framework verlangen. Nur dann wird man die vorhandenen Informationen vererben, statt sie zu vergessen.

Siemens: Automatisierungslösungen aus Einzelkomponenten verschiedener Hersteller zusammenzustellen, ist durch die heute existierenden Schnittstellenstandards möglich. Im Bereich Projektierung und Engineering ist die Kombination meist sehr aufwendig. Vor allem die Kosten für Software-Anpassungen, Änderungen, Schnittstellenpflege, Dokumentation und Servicekosten sind in solchen Lösungen schwieriger zu kalkulieren und können ein ursprünglich positives Projekt gefährden. Nicht nur der Aufwand für die Integration der Komponenten sondern auch die Frage nach der Systemverantwortung haben in den letzten Jahren zu einem starken Trend in Richtung Systemlösungen geführt. In den realisierten Systemlösungen gibt es praktisch keine Anwendung mit ausschließlich Komponenten eines einzelnen Herstellers. Die meisten Anwender entscheiden sich heute zwar für einen Kernsystem-Lieferanten, achten aber sehr darauf, ob die Systemkomponenten auf verbreiteten und im Markt akzeptierten Standards basieren. Geschlossene Systemlösungen können heute deshalb nicht mehr erfolgreich sein. Das Siemens-Konzept für "Totally Integrated Automation" hat ein Engineeringsystem und gemeinsame Standards als zentrales Rückgrat, z.B. Ethernet, Profibus und AS-Interface bei der Kommunikation, OPC als Softwareinterface für Windows-Anwendungen sowie IEC1131-3 für die SPS-Programmierung. Eine Einbindung von Geräten verschiedener anderer Hersteller stellt somit kein Problem dar.

USData: Die Entwicklung von individuellen Einzellösungen ist heute zu teuer geworden. Zudem wird die Anwendung nur solange gepflegt, solange der Anwender dafür bezahlt. Die Marktentwicklung tendiert eindeutig zu kompletten Softwarepaketen bei der Automatisierung bzw. Prozeßvisualisierung. Diese Entwicklung führt gleichzeitig zu einer Implementierung auf objektorientierter Basis. Grundsätzlich können wir feststellen, daß der Einsatz von Automatisierungssoftware nur noch im Paket sinnvoll ist. Der Kunde profitiert von der größeren Anzahl von verkauften Lizenzen (Mehrfachinstallationen). Z.B. bei FactoryLink sind individuelle Anpassungen über Standardschnittstellen wie SQL, Oracel, OPC und AxtiveX jederzeit möglich. Auf der Basis von TCP/IP oder OPC-Schnittstellen kann es ein Produktmix geben.

Videc: Als Distributor für Softwarelösungen sehen wir für die Zukunft die Notwendigkeit, daß die Software komponenten-/objektorientiert ist. Das ist auch der Hauptgrund für Videc gewesen, sich bei der Auswahl des Produkts für die Firma Intellution zu entscheiden, die als einer der ersten konsequent die Komponententechnologie einsetzt. Da Komponentenlösungen so konzipiert sind, daß sie mit allen Elementen funktionieren, die offene Industriesystemen gerecht werden - z.B. Windows NT, OLE Visual Basic for Applications (VBA), OPC, ActiveX oder COM/DCOM, können sie auch in einem Mix eingesetzt werden. Gerade die Kombinationsmöglichkeit von Softwarekomponenten unterschiedlicher Hersteller ist die Stärke dieser Technologie. Der Ansatz ist die jeweils beste Komponente für die entsprechende Aufgabe einzusetzen. Es kann nicht der Ansatz von Intellution sein, für jede Aufgabe eine eigene Lösung anzubieten. Dies würde bedeuten, daß Softwarekomponenten von der Visualisierung über Energieoptimierungskomponenten bis hin zur Anbindung an Produktionsplanungssysteme wie SAP aus einem Haus kommen müßten.

Wonderware: Wonderware hat diesen Trend ja bereits vor einigen Jahren erkannt und eingeleitet, wobei offene und integrierte Lösungen wie die FactorySuite die Denkweise in der Automatisierungstechnik verändert haben. Wonderware arbeitet natürlich auch schon heute intensiv an künftigen Produkten und Lösungen, auf der Basis der neuesten Software-Technologien von Microsoft. Dabei gibt es für Wonderware zwei wesentliche Zielrichtungen. Zum einen geht es um die Reduzierung der Engineeringkosten, die einen erheblichen Anteil bei heutigen Automatisierungsprojekten ausmachen. Das bedeutet, daß neben dem eigentlichen Entwicklungswerkzeug eine Reihe administrativer Tools entwickelt werden müssen, um den Entwicklungs- und Wartungsaufwand des Anwenders zu minimieren. Als zweite Zielrichtung gilt der Schutz der installierten Basis, denn bei annähernd 100 000 installierten Systemen wollen wir sicherstellen, daß der Anwender in der Lage ist, seine Investitionen auf neue Technologien zu übertragen. Das haben wir in der Vergangenheit stets sichergestellt, und das sind wir unseren Kunden auch in Zukunft schuldig.

Im Bereich der Visualisierungssysteme gibt es eine zunehmende Vertikalisierung (Stichwort ERP, konsistente Datenhaltung etc.). Welche Rationalisierungspotentiale sehen Sie für den Anwender?

GE Fanuc: GE Fanuc hat z.B. mit EnvisionIT vereinbart, deren Software Visual Flow in Cimplicity HMI zu integrieren. Visual Flow erlaubt eine einfache Anbindung an ERP-Systeme wie SAP, JDEdwards oder Oracle. Durch die komplett integrierte, vertikale Lösung erspart sich der Anwender kostenintensiven Integrationsaufwand. Es ist somit möglich, unter Verwendung von Standardprodukten, auf einfachste Weise eine Verbindung von der Produktion bis zum Mainframe herzustellen.

Graf: Den größten Vorteil sehen wir in der Datenübermittlung von der Maschine in höhere, z.B. PPS-Systeme. Wir glauben, daß erst der Online-Verbund bis hin zur Produktionsmaschine (Stückzahl, Ausschuß, Laufzeit usw.) eine echte Datengrundlage sowohl für die Qualitätssicherung als auch für die Kalkulation darstellt.

ObjectAutomation: Vertikalisierung ist eine feine Sache, wenn Sie nicht ausschließlich über Schnittstellenvereinbarungen und Gateways erreicht wird. Natürlich werden die Hersteller und die Anwender von Automatisierungssystemen PPS-Systeme wie SAP über eine Datenschnittstelle anbinden müssen. Für alle anderen Ebenen jedoch sollte die gleiche Information durchgängig und für alle Berechtigten zugänglich vorliegen. Die Programmierung und die Datenauswertung wird dann bei durchgängigen Systemen durch eine Workbench mit gleichem Userinterface für unterschiedliche Applikationen vereinfacht.

Siemens: Der zunehmende globale Wettbewerb erfordert eine kontinuierliche Effizienzsteigerung der Produktionsanlagen und den ihnen an- und überlagerten Geschäftsprozessen. Rationalisierungspotential liegt in den Schnittstellen der einzelnen Bereiche und deren flexiblem Zusammenspiel. In der Produktionsautomatisierung werden gegenwärtig überwiegend PC- und Microsoftlösungen im Bereich der Visualisierungssysteme eingesetzt. Deswegen wird die Vertikalisierung in der Automatisierungstechnik in Verbindung mit Visualisierungssystemen genannt. D.h. die Einbindung des Bereichs Produktion in den gesamten Informationsfluß eines produzierenden Unternehmens erfolgt heute in der Regel über PC-basierte Visualisierungssysteme. Diese Beschränkung wird sich wandeln. Mit vermehrter Verwendung der Microsofttechnologien wie DCOM oder ActiveX und der Verfügbarkeit von Windows-CE-basierten Automatisierungsgeräten wird es in Zukunft möglich sein, diese Geräte direkt in den Informationsfluß des Unternehmens einzubinden. Dies bedeutet eine höhere Transparenz der Produktionsdaten und damit weitere Optimierungspotentiale für den Gesamtbetrieb.

USData: Anbieter von ERP- und Scada-Systemen sind sich der zwischen ihnen liegenden Kluft bewußt und beide wollen eine Verbindung zueinander schaffen. Ein durchgängiger Datenfluß von der Fertigungswelt zur kommerziellen Welt bietet Rationalisierungspotentiale wie Just-in-time-Produktion, volle Kostenkontrolle auch in der Fertigung, Maschinenauslastung sowie volle Dokumentation der Produktionsschritte. USData bietet mit Xfactory eine optimale Verknüpfung sowie über die Prozeßmodellierung einen einfachen Einstieg von der Feldebene bis zum ERP-System wie SAP. Xfactory hilft Rationalisierungspotentiale aufzudecken.

Videc: Auch wir als Videc sehen diesen Trend und versuchen durch zusätzliche Komponenten zu unserer Visualisierung auf der einen Seite eine Durchgängigkeit in der Datenhaltung zu gewährleisten, auf der anderen Seite aber auch die Anforderungen von bestimmten vertikalen Märkten zu erfüllen. Durch die Kombination von z.B. Acron und FIX ist eine neue Lösung entstanden, die genau den jeweiligen Marktbedürfnissen entspricht. Das Potential für den Anwender ist enorm. Es entfällt die doppelte Datenpflege, Eingaben und Meßwertaufnahmen erfolgen nur einmal sowie zumeist automatisch und es werden Fehlerquellen eliminiert, da Daten einmalig erfaßt werden. Zudem werden komplexe Anlagen übersichtlicher, da auch der Maschinenbau auf Daten des Elektrobereichs zugreifen kann und z.B. Fehlerhäufigkeiten ausgewertet und Fehlerquellen reduziert werden können.

Wonderware: Die Potentiale für den Anwender liegen in der schnellen Verfügbarkeit von Informationen in allen Ebenen eines Unternehmens. Mit unserer Technologie des IndustrialSQL Server können wir auch in bestehenden IT-Systemen quasi einen "Informations-Bypass" legen und den Durchfluß von Informationen sicherstellen. Ein nahtloses Zusammenspiel von ERP-Systemen mit der Produktionsebene auf der Basis standardisierter Hardware- und Softwareplattformen ist damit heutzutage ohne weiteres möglich, denn wir haben hierfür die Technologien und die Produkte.

Wie flexibel sind die Softwarelösungen bei der Anbindung an die Feld-ebene?

GE Fanuc: Cimplicity HMI verfügt über mehr als 80 Kommunikationsprotokolle und kann daher mit vielen Steuerungen verschiedener Hersteller verbunden werden. Da es über ein OPC-Client-Interface verfügt, kann eine Verbindung mit jedem OPC-Server hergestellt werden. Cimplicity HMI arbeitet bereits mit verschiedenen OPC-Servern.

Graf: Treiber sind immer offen zu halten. Auch durch Standard-Treiber lassen sich nie alle Anforderungen erledigen. Wir verfügen über eine offengelegte Treiberklasse, die die schnelle uns sichere Realisierung von hardwarenahen Treibern ermöglicht.

ObjectAutomation: Drei Faktoren sind ausschlaggebend: Erstens werden die Automatisierungssysteme durch die Verwendung von standardisierten Feldbussystemen immer offener. Zweitens werden die Bussysteme der Zukunft durch Einsatz von Ethernet-Technologien leistungsfähiger und kostengünstiger und drittens werden die Feldgeräte durch den Einsatz von Quasi-Standrards wie Windows-CE immer leistungsfähiger. Durch die Dezentralisierung seiner Applikation erreicht der Anwender somit die für ihn nötige Flexibilität.

Siemens: Der wirklich dominante Trend in der Automatisierung ist die Dezentralisierung. Die erste Stufe der Dezentralisierung war die Verteilung nichtintelligenter E/A-Kanäle über den Feldbus. Die Geräte am Feldbus bekommen jedoch zunehmend eigene Intelligenz. Weitere "intelligente" Feldbusgeräte folgen ständig. In Zukunft führt dieser Trend zu dezentralen Systemen, bei denen die eigentliche Automatisierungsapplikation auf intelligente Knoten verteilt quasi im Netzwerk arbeitet. Die "Feldebene" wird damit selbst zu einem hochdynamischen und flexiblen Automatisierungssystem. Die Herausforderungen für derartige Systeme liegt in der Beherrschung der Komplexität durch den Anwender. Eine solche Lösung muß sich in Zukunft genauso einfach programmieren lassen wie eine zentrale Lösung. Hier sind intelligente Softwarelösungen gefragt. Ziel von Siemens ist es, unseren Anwendern ausgehend von der heutigen Automatisierungsgerätelandschaft einen weichen Übergang in diese komplett verteilten Systeme zu gewährleisten.

USData: Heute werden alle gängigen Bussysteme und SPS-Systeme von Automatisierungs-/Prozeßvisualisierungssystemen unterstützt. Durch die weitere Verbreiterung der OPC-Schnittstelle wird die Anbindung an die Feldebene noch einfacher; spezielle Treiber für die verschiedenen SPS- oder Feldbus-Systeme wird es nicht mehr geben. Die Version 6.6 von FactoryLink unterstützt voll die OPC-Schnittstelle, d.h. sowohl die zur Treiberanbindung sehr wichtige Client-Funktionalität, als auch die Server-Funktionalität.

Videc: Derzeit verfügt die Visualisierung FIX Dynamics über mehr als 300 Prozeßanbindungen. Durch die offene Schnittstelle OPC können inzwischen auch Systeme angebunden werden, für die es keinen von Intellution entwickelten Treiber gibt. Hersteller von Hardwarekomponenten sind inzwischen darauf bedacht, immer auch eine OPC-Schnittstelle zur Verfügung zu stellen. Kein Hersteller will aufgrund einer fehlenden Standardschnittstelle am Markt seine Chancen verschlechtern. Die Bedürfnisse der Endkunden werden die meisten Anbieter zu weiteren Entwicklungen veranlassen.

Wonderware: Bisher war die Zahl der verfügbaren E/A-Server das Hauptkriterium für die Flexibilität beim Zugriff auf die Prozeßebene. Mit über 700 verschiedenen E/A-Servern nimmt Wonderware hier traditionell eine Spitzenstellung ein. Ein offener Standard wie OPC, den wir mit der FactorySuite ebenfalls konsequent unterstützen, bringt hier zweifellos Vorteile für den Anwender wie auch für den Hersteller, der damit seinen Entwicklungsaufwand im Bereich der E/A-Server reduzieren kann.

Beim Austausch sensibler Prozeßdaten sind Sicherheitsfragen ein wichtiges Thema. Wie vertrauenswürdig ist die industrielle Tele-Kommunikation z.B. über das Internet?

GE Fanuc: Die Sicherheit bei Verbindungen über Internet wird sehr oft in Frage gestellt. Vorausgesetzt, daß eine Firewall-Lösung eingesetzt wird, besteht kein Risiko, da ein sauber verschlüsseltes Paßwort über das Internet verschickt wird. Da Cimplicity HMI in seinen Web Gateway und Web Viewer Features eine solche Firewall-Funktion unterstützt, stellt Cimplicity HMI eine ideale Lösung für solche Anwender dar, die über das Intra- oder Internet auf Prozeßdaten zugreifen wollen. Unser neuestes Web Viewer Feature bringt volle Graphikfähigkeit über das Internet, d.h. alle Graphikbildschirme, die mit Cimplicity HMI erstellt wurden, können ebenfalls Paßwort-geschützt über das Internet gesichtet werden.

Graf: Die im Internet üblichen Sicherheitsvorkehrungen sind zu beachten. Daten können z.B. über ein gepaartes Firewall-System in einer verschlüsselten Tunnel-Anbindung sicher und zuverlässig übermittelt werden. Dies ist besonders dann wichtig, wenn über TCP/IP direkt auf den Prozeß eingewirkt werden kann. Bei der unverschlüsselten Übermittlung von unkritischen Daten, z.B. der Pegelstand einer Kläranlage, sehen wir kein Problem.

ObjectAutomation: Wenn man Sicherheitsaspekte betrachtet, steht die Telekommunikation natürlich immer zur Diskussion. Letztendlich wird aber der Kunde entscheiden müssen, welche Form der Datenübertragung er wählt. Bis eine Regelungsapplikation über das Web funktioniert wird noch einige Zeit vergehen. Gegen eine Übertragung von Produktionsdaten oder Daten zur Prozeßüberwachung über ein Intranet spricht schon heute nichts mehr. Speziell größere Unternehmen haben da schon gute Erfahrungen gemacht.

Siemens: Die industrielle Tele-Kommunikation läßt sich grob in zwei Bereiche teilen. Zum einen gibt es den sehr schnell wachsenden Bereich der Fernwartung. Hier wird heute aus Geschwindigkeits- und Sicherheitsgründen fast ausschließlich mit Wähl-Direktverbindungen zwischen Servicestelle und Anlage gearbeitet. Darüber hinaus wird Tele-Kommunikaton aber auch zunehmend zur Übertragung von Nachrichten oder Prozeßdaten genutzt. In diesem Anwendungsfeld spielen sowohl die Direktverbindungen, z.b. Senden einer Nachricht an das Handy eines Wartungs-technikers, als auch das Abfragen von Anlagenzuständen und Produktionsdaten über Intra- und Internet eine Rolle. Dementsprechend müssen die adäquaten Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden. Im Intranet liegt die Gefahr bei Verwechslungen und Nachlässigkeit der beteiligten Mitarbeiter. Deshalb sind hier Maßnahmen wie die logische Trennung des Büro- und Fertigungsnetzes oder Paßwortschutz ausreichend. Beim Internet sind prinzipiell Schutzmaßnahmen erforderlich, wie sie mit einem VPN (virtual private network) realisiert werden, welches einen verschlüsselten, privaten Kanal im Internet zwischen den Teilnehmern schaltet. Ebenso ist auch die Integration in bestehende Firewall-Strukturen erforderlich.

USData: Grundsätzlich sollten Grundsicherheiten wie Firewall/Paßwort bei der Informationsübertragung via Internet implementiert sein. Für sicherheitsrelevante Daten sollte mit höheren Sicherheitsstandards, wie das im Banken- und Versicherungsbereich üblich ist (128 oder 256 bit), gearbeitet werden.

Videc: Es gibt jedoch in vielen Bereichen Bestrebungen, diesen Weg der Kommunikation auszubauen. Beim interpersonal mail (Person zu Person) wie auch beim application messaging (Maschine zu Person) werden im industriellen Bereich häufig Informationen von hoher Wichtigkeit verschickt. Für diese Anwendungen gibt es bereits ein Konzept. Mit Trustcenter, die ihren directory service nach x.500 zertifiziert haben, werden Dienstleister als Dritte diesen Sicherheitsservice anbieten. Mit einer Verschlüsselungskonzeption werden diese Trustcenter oder "Certification Authorities" die sichere Datenübertragung gewährleisten. Nur der Empfänger kann dann z.B. mit seinem Private Key die Daten, die für Ihn bestimmt sind, einlesen. Er erhält den Zugang ausschließlich durch die Bestätigung des Trustcenters mit seinem eigens hinterlegten Code. Die Verwaltung dieser Codes läuft in sicherheitsgerichteten Datenbanken. Hier sind die Keys nach der x.509-Zertifizierung abgelegt. Die dort ankommenden Daten haben das pgp- oder das S/mime-Protokoll und können dann weltweit sicher verwendet werden. Sicher ist, daß dieser Weg von vielen Unternehmen zur Kommunikation benutzt wird.

Wonderware: Wir sehen den Einsatz von Internet-Technologie vor allem im unternehmensinternen Intranet. Beim Datenaustausch über das Internet muß der Anwender individuell entscheiden, ob die gegenwärtig üblichen und möglichen Sicherheitsvorkehrungen im Internet seinen Ansprüchen genügt oder nicht. Man muß vor allem unterscheiden, ob Daten über das Internet nur beobachtet werden sollen, oder ob man vorhat, in Produktionsprozesse einzugreifen. In letzterem Fall sind mindestens die gleichen Anforderungen zu erfüllen wie im Bereich des elektronischen Zahlungsverkehrs im Internet.

Weitere Informationen zu den befragten Unternehmen und deren Produkten können Sie über die nachfolgenden Kennziffern anfordern:

GE Fanuc Automation eA 513

Graf eA 514

Object Automation eA 515

Siemens eA 516

USData eA 517

Videc eA 518

Wonderware eA 519

Siegfried Oblasser, Leiter Produktmanagement Simatic-Kernprodukte bei Siemens A&D, Nürnberg/Erlangen

Dieter Barelmann, Geschäftsführer der Videc GmbH, Bremen

Dieser Artikel stammt aus Community-Indicator


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