„Integriertes CM: eine Sackgasse?"
elektro Automation: Herr Spreitzhofer, Sie plädieren dafür, das Condition Monitoring als autarkes System zu handhaben und nicht in den Automatisierungsprozess zu integrieren. Warum?
Spreitzhofer: Condition Monitoring ist äußerst verarbeitungs- und speicherintensiv. Man muss große Mengen an Daten in Echtzeit erfassen, speichern und verarbeiten. Damit sollte die Automatisierung nicht belastet werden, denn diese soll die Anlage verfügbar halten und steuern. Durch ein integriertes, sekundäres Instandhaltungssystem wie das Condition Monitoring verschlechtert man also zum einen den Automatisierungsprozess. Zum anderen arbeitet die Automatisierungstechnik in der Regel mit sehr heterogenen Landschaften, d.h. es gibt Komponenten bzw. Anlagen verschiedener Automatisierungshersteller in ein und demselben Werk. Integriert man nun starr pro Anlage das Condition Monitoring des jeweiligen Herstellers in den Automatisierungsprozess, riskiert man, immer nur Insellösungen zu erhalten.
elektro Automation: Können Sie Beispiele aus der Praxis nennen, bei denen das Automatisierungssystem durch ein integriertes Condition Monitoring überlastet wurde?
Spreitzhofer: In Pressenstraßen für Karosserieteile kann man das immer wieder beobachten. Jede Presse hat ihre eigene autarke Automatisierung. Will ich übergreifend das System mit einer integrierten Überwachungslösung optimieren, stoße ich schnell an die Grenze des Machbaren. Ein Condition Monitoring dagegen, das außerhalb der Automatisierung steht, sammelt aus den verschiedenen Systemen die Informationen und setzt diese dann anschließend in Relation zueinander.
elektro Automation: Die iba AG gilt als Spezialist für PC-gestützte Systeme zur Messdatenerfassung und -analyse. Wie wollen Sie mit Ihren Lösungen den oben genannten Anforderungen gerecht werden?
Spreitzhofer: Wesentliches Merkmal unseres Produktsortiments ist seine ausgeprägte Konnektivität zu anderen Systemen und Bustechniken. Ein iba-Messwerterfassungssystem kann an nahezu jedes gängige Automatisierungssystem angeschlossen werden. Ist ein Automatisierungsprozess heterogen, können iba-Lösungen als externes Condition-Monitoring-Tool alle relevanten Daten sammeln, ohne dabei den Automatisierungsprozess zu belasten. Anschließend lassen sich die Daten werksübergreifend analysieren.
elektro Automation: Lässt sich an konkreten Beispielen festmachen, inwieweit der CM-EInsatz in industriellen Produktionsanlagen Kosten spart
Spreitzhofer: Durch ein Condi-tion Monitoring lassen sich Ausfälle früher erkennen und damit Instandhaltungsmaßnahmen besser planen. Im schlimmsten Fall kann ein zu spät erkannter Bauteilschaden Auswirkungen auf weitere Teile der Maschine haben. Das passiert bei einem guten Condition Monitoring nicht. Somit minimiert der Betreiber definitiv das Schadensausmaß. Real-Time-Systeme ermöglichen darüber hinaus wichtige Sicherheitsabschaltungen, z.B. bei Turbinen. Auch wenn sich der Nutzen in Zahlen nicht pauschal, sondern nur im Einzelfall konkret nachweisen lässt, so ist doch das gestiegene Interesse an der Zustandsüberwachung ein deutliches Indiz für dessen Vorteile.
elektro Automation: Welche Vorteile bietet die iba-Technik bei Condition-Monitoring-Lösungen?
Spreitzhofer: Der Einsatz von iba-Technik ermöglicht den Aufbau eines externen, werksweit einheitlichen Condition-Monitoring-Systems. Und das mit einfacher Einbindung aller Prozessdaten, die zur Berechnung qualitativ hochwertiger Analyseergebnisse mit größtmöglicher Vorwarnzeit erforderlich sind. Die Verwendung einheitlicher Werkzeuge vereinfacht die Bedienung des Systems und vermeidet Fehldiagnosen.
zg
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