Login
Nord-Geschäftsführer Peter Dittmers zur Unternehmens- und Wirtschaftsentwicklung

„Uns schüttelt es nach oben"

Das Krisenjahr 2009 ist mit Umsatzrückgang und Kurzarbeit nicht erschöpfend bilanziert. Der weltwirtschaftliche Einbruch hat deutsche Maschinen- und Anlagenbauer und ihre Zulieferer nämlich nicht einfach nur gebremst. Mancherorts ist das Bild komplexer; unter der Oberfläche ist mehr in Bewegung geraten. Peter Dittmers, der beim Antriebsanbieter Nord ( www.nord.com, Hannover Messe: 15-H21) seit 1995 den Vertrieb im Kernmarkt Deutschland leitet, erläutert hierzu im Gespräch jüngste Entwicklungen in der Branche – und im eigenen Haus.

Das Krisenjahr 2009 ist mit Umsatzrückgang und Kurzarbeit nicht erschöpfend bilanziert. Der weltwirtschaftliche Einbruch hat deutsche Maschinen- und Anlagenbauer und ihre Zulieferer nämlich nicht einfach nur gebremst. Mancherorts ist das Bild komplexer; unter der Oberfläche ist mehr in Bewegung geraten. Peter Dittmers, der beim Antriebsanbieter Nord ( www.nord.com, Hannover Messe: 15-H21) seit 1995 den Vertrieb im Kernmarkt Deutschland leitet, erläutert hierzu im Gespräch jüngste Entwicklungen in der Branche – und im eigenen Haus.

elektro Automation: Herr Dittmers, wie war rückblickend das Geschäftsjahr 2009 für Nord?

Dittmers: Es war ein zugegebenermaßen schwieriges, aber vor allem ein hochinteressantes Jahr. Auch mit Silberstreifen am vorwiegend düsteren Horizont. Wir haben, wie praktisch alle Export-orientierten Hersteller, unter dem Strich hohe Umsatzeinbußen verzeichnet – bei uns lag der Rückgang etwa bei 20 % gegenüber dem Vorjahr. 2008 allerdings war unser bisheriges Rekordjahr, auch deshalb also fällt der Kontrast so deutlich aus. Man muss allerdings sehen, dass es in unserer Branche auch Unternehmen gibt, die noch drastischere Rückgänge hinnehmen mussten. Als wirklich positiv haben wir erlebt, dass sich in dieser schwierigen Phase die guten Beziehungen zu unseren Bestandskunden bewährt haben. Dass wir das letzte Jahr aber vor allem, wie eben gesagt, als hochinteressant empfunden haben, liegt an den verblüffend vielen neuen Kontakten zu Maschinenbauern. Mit etlichen von ihnen haben wir inzwischen eine viel versprechende Zusammenarbeit aufgenommen. Man könnte es vielleicht so zuspitzen: In Deutschland schüttelt die Krise unsere Branche durch – und uns, so wirkt es, schüttelt es dabei weiter nach oben. Wir sehen uns als Lösungsanbieter von mehr Partnern gefragt denn je.

elektro Automation: Durchgeschüttelt hat es nicht nur die Branche, sondern auch Ihr Führungsteam, denn mitten in der Krise geht jetzt der Seniorchef von Bord. Was bedeutet das für Nord?

Dittmers: Von Bord geht Herr Küchenmeister nun wirklich nicht, dazu ist er viel zu stark mit seinem Unternehmen verbunden – und wird dies mit Sicherheit auch bleiben. Aber niemand wird jünger, d.h. man sollte vernünftigerweise das Geschaffene zur rechten Zeit in verlässliche Hände legen. Bei Nord ist das, wie in vielen Familienunternehmen, ein allmählicher Prozess – die zweite Generation der Familie Küchenmeister ist ja schon seit den 1990er Jahren aktiv im Unternehmen tätig und hat längst schon Führungsverantwortung mit übernommen. Nun ist eben der Zeitpunkt für den nächsten Schritt gekommen. Unser Gründer-Geschäftsführer hat sich entschieden, sich nicht nur von den Belangen des Tagesgeschäfts zurückzuziehen, sondern auch seine strategischen Zuständigkeiten abzugeben. Insbesondere die Gesamtverantwortung für die Technik. Und was den Zeitpunkt angeht: Mitten in der Krise, oder jedenfalls tief in der Krise, sehen wir uns nicht mehr. Die große Delle haben wir 2009 hinter uns gelassen. Jetzt sind wir schon wieder auf dem Weg zurück nach oben. Zudem wurde das Führungsteam zum Jahresbeginn um einen Spezialisten von außen verstärkt: Dr.-Ing. Jürgen Jendryschik ist als Technik-Chef hinzugekommen.

elektro Automation: Haben in diesem Zusammenhang auch Sie selbst mehr Zuständigkeiten bekommen, um besser nach eigenen Vorstellungen gestalten zu können?

Dittmers: Mich wundert immer, dass viele sich offenbar nicht vorstellen können, dass es funktionierende, gemeinsam arbeitende Führungsteams gibt. Bei Nord haben wir erstens eine eingespielte Arbeitsteilung, die dafür sorgt, dass die Mit-glieder der Geschäftsführung den Großteil ihrer Zuständigkeitsbereiche eigenständig verantworten. Und die Belange, über die wir gemeinsam entscheiden, haben wir bewusst in der gemeinsamen Verantwortung belassen. Ein funktionierendes Führungsteam ist zu-dem gar nicht darauf angewiesen, von morgens bis abends reine Harmonie zu praktizieren. Im Gegenteil, der Austausch unterschiedlicher Vorstellungen kann ausgesprochen konstruk-tiv wirken und zu fundierteren Entscheidungen beitragen, weil man ja gründlicher die eigenen Positionen und Konzepte hinterfragt.

elektro Automation: Aber am Ende setzt sich eben einer durch, wenn man mal unterschiedlicher Auffassung ist und bleibt. Fehlt Ihnen in diesen Fällen nicht doch die Alleinverantwortung?

Dittmers: Nein, denn es setzt sich ja nicht immer derselbe durch. Der Schlüssel für einen kooperativen Führungsstil ist die gegenseitige Wertschätzung der Beteiligten und die Bereitschaft aller, sich überzeugen zu lassen und sachorientiert zu entscheiden. So ist es bei uns und deshalb habe ich immer die Sicherheit, dass mein Wort auch Gewicht hat. Erkennen können Sie das z.B. an einem aktuellen Projekt, das maßgeblich auf meine Initiative zurückgeht und für das ich das übrige Führungsteam gewonnen ha-be: unsere neuen Online-Tools. Nach dem Relaunch unserer stark umgestalteten Internetpräsenz und auch der Erneuerung interner EDV-Strukturen gehören sie als nächster logischer Schritt dazu.

elektro Automation: Was sind diese „Online-Tools" denn genau?

Dittmers: Wir geben unseren Kunden direkten Zugriff auf Datenbank-Informationen bei uns. Dafür haben wir als Teil unserer Internet-Präsenz den Bereich myNord eingerichtet, der beispielsweise den Abruf des laufend aktualisierten Lieferstatus von Bestellungen ermöglicht. Zusätzlich stehen projektgebundene hausinterne Informationen zur Verfügung, z.B. Vermerke aus Konstruktion oder Produktion und weitere Unterlagen zur jeweiligen technischen Ausstattung. Damit einhergehend geben wir auch präzise, verbindliche Terminzusagen ab und gewährleisten sehr kurzfristige Lieferfristen – bei vielen Komponenten und Systemen betragen sie nur 24 oder 48 h. Die Einhaltung die- ser Fristen können Kunden über myNord dann jederzeit absolut transparent verfolgen.

elektro Automation: Sie haben erwähnt, dass Nord „die große Delle" 2009 hinter sich gelassen hat. War denn im letzten Jahr schon eine ausgeprägte Trend-umkehr spürbar?

Dittmers: Ja, die hat es für uns ganz, ganz klar gegeben. Es ist ja bekannt, dass sich auch in der Gesamtwirtschaft die Lage im zweiten Halbjahr viel günstiger darstellte als bis zum Frühling oder Sommer 2009. So war es auch für uns. Das können wir erstens anhand der Zahlen bestätigen und zweitens gab es bestimmte Schlüsselerlebnisse – insbesondere unser exzellentes Messeergebnis auf der SPS/IPC/Drives 2009. Ich kann mich nicht erinnern, in der jüngeren Vergangenheit je eine derart produktive Messe erlebt zu haben. Neben den üblichen Anfragen, Informationsgesprächen oder vorbereitenden Geschäftsanbahnungen hatten wir es diesmal gleich mit mehreren Aufträgen zu tun, die wir direkt in Nürnberg verhandelt und vereinbart haben. Auf der Rückreise hatten wir die fertigen Lieferverträge – mit einem Geschäftsvolumen, das in die Millionen geht – im Koffer.

elektro Automation: Trauen Sie sich eine Prognose für das laufende Jahr zu?

Dittmers: Wir möchten schon 2011 wieder an unseren Rekordumsatz aus dem Jahr 2008 herankommen. Den meisten Bo-den dorthin wollen wir in diesem Jahr noch gutmachen, und der Ausblick im Moment macht uns zuversichtlich. Wir bauen dabei auf innovative Produkte in der mechanischen und elektroni-schen Antriebstechnik, z.B. un-sere kostengünstigen, vielseitig einsetzbaren Frequenzumrichter der Serie SK200E und die großen Industriegetriebe mit Drehmomenten bis 200 000 Nm. Mittelfristig möchten wir den Umsatz in fünf Jahren verdoppeln. zg

„Köpfe" bei Nord

Primus inter pares an der Spitze von Nord war bisher G. A. Küchenmeister, einer der Gründer des seit 1965 bestehenden Unternehmens, der sich nun aus Altersgründen aus der aktiven Mitarbeit zurückzieht. Schon seit Jahren leitet seine Tochter Jutta Humbert vor allem die internationalen Aktivitäten, sein Sohn Ullrich Küchenmeister kümmert sich um Einkauf und Supply Chain. Jens Paulsen ist zuständig für Finanzen, Controlling und EDV. Als Technik-Verantwortlicher ist Dr.-Ing. Jürgen Jendryschik seit Jahresbeginn neues Mitglied der Führungsebene. Peter Dittmers leitet als Geschäftsführer den Vertrieb im wichtigen Inlandsmarkt.

12.04.2010


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe