Fokussierte Komplett-Lösungen
Etwas länger als ein halbes Jahr leitet Hartmut Pütz inzwischen das Factory-Automation-Geschäft von Mitsubishi Electric in Europa ( www.mitsubishi-automation. de). Nach dieser „Halbzeit" zieht er Bilanz und erläutert gegenüber der Redaktion die Auswirkungen der Wirtschaftskrise, die jüngsten Umstrukturierungs- und Personalanpassungsmaßnahmen sowie die geplante stärkere Fokussierung auf bestimmte Zielmärkte und die Entwicklung des Unternehmens zum Anbieter von Komplett-Lösungen.
elektro Automation: Hr. Pütz, seit Mitte 2009 sind Sie Executive Vice President der Factory Automation European Business Group bei Mitsubishi Electric Europe. Welches sind hier – insbesondere im Zusammenspiel mit Noriaki Himi, Präsident der deutschen Niederlassung, Ihre Aufgaben und woran haben Sie im ersten Halbjahr schwerpunktmäßig gearbeitet?
Pütz: Wir haben eine Art Doppelspitze: Herr Himi ist als Branch President für das gesamte Deutschlandgeschäft von Mitsubishi Electric über alle Business Units hinweg verantwortlich, und ich betreue die Factory Automation für ganz Europa. In Ratingen befindet sich neben der Deutschlandzentrale ebenso der Hauptsitz für die Factory Automation European Busi-ness Group. Wir haben eine Bestandsaufnahme der in den letzten Jahren gewachsenen Strukturen vorgenommen und festgestellt, dass wir unseren Focus verstärkt auf Kernmärkte richten müssen, in denen wir starke technische Lösungskompetenzen haben. Unsere strategischen Zielmärkte werden sein: Infrastruktur, sprich Wasser/Abwasser und Verkehr, Erneuerbare Energien wie Sonne, Wind, Biomasse bzw. Lebensmittel- und Konsumgüterindustrie sowie Life Sciences. Jedoch werden wir natürlich unsere erfolgreichen Aktivtäten z.B. in der Automobilindustrie weiter verfolgen. In diesen Märkten sind wir bereits mit vielfältigen, bewährten Applikationen vertreten, haben sie aber bis jetzt nicht strategisch bearbeitet. Das soll sich ändern. Wir werden neben Endkunden, die die Vorgaben ausformulieren, auch die für diese Märkte qualifizierten Maschinenbauer ansprechen.
elektro Automation: Jüngst gab es in Ratingen – der deutschen und europäischen Zentrale – auch personell deutliche Einschnitte. Ist hierfür die ak-tuelle Wirtschaftskrise die Hauptursache oder haben auch strukturelle Maßnah- men z.B. im Sinne effizienter Unternehmensabläufe den Ausschlag gegeben?
Pütz: Die Krise ist natürlich auch an Mitsubishi Electric nicht spurlos vorbeigegangen. Für die Umstrukturierungsmaßnahmen, die uns die Marktanforderungen noch besser adressieren lassen, waren leider Personalanpassungsmaßnahmen notwendig. Überlappungen in den Bereichen Administration, Marketing und Support, die es in der alten Struktur gegeben hat, wurden dadurch ausgeglichen und die Abläufe insge-samt effizienter gestaltet.
elektro Automation: Wie wirken sich die aktuellen Veränderungen auf die von Mitsubishi Electric bereits seit einiger Zeit verfolgte Wachstumsstrategie in Mitteleuropa aus?
Pütz: Wir sehen erste Verbesserungen, die Umsätze steigen stetig, sodass wir guter Hoffnung sind, dass die Talsohle durchschritten ist. Wir haben Grund zu verhaltenem Optimismus. Die Zahlen der letzten Jahre werden wir nicht erreichen, aber ein Wachstum von 5 % für das kommende Rechnungsjahr ist realistisch.
elektro Automation: Die Fachmesse SPS/IPC/Drives ist im November 2009 aus Ihrer Sicht sehr erfolgreich verlaufen und bildet den Kern der Messeaktivitäten. Inwieweit wird sich diese positive Messebilanz im tatsächlichen Geschäftsverlauf 2010 widerspiegeln und mit welchen Produkt-Highlights werden Sie dies unterstützen?
Pütz: In der Nachbereitung der Messe hat sich gezeigt, dass der erste gute Eindruck nicht getäuscht hat und die Messe ein Erfolg gewesen ist. Die Kontakte waren interessiert und interessant. Es gibt diverse konkrete Anfragen sowie mittel- und langfristige Projekte sowohl bei bestehenden Kunden, aber auch bei gänzlich neuen Kunden. Grundsätzlich lässt sich sagen: Wir werden uns von einem reinen Komponentenhersteller zum Anbieter von kompletten Automatisierungslösungen mit dem besonderen Fokus auf unsere strategischen Zielmärkte entwickeln. Die große Produktvielfalt (SPS über Inverter, Servos und Roboter etc.) und deren nahtlose Kommunikation untereinander sind auf dem Automatierungsmarkt einmalig. Mit unseren Partnerschaften der e-F@ctory Alliance haben wir viele einmalige Lösungen entwickelt, z.B. mit der Firma ubigate die direkte Anbindung der Mitsubishi-iQ-Platform an die Produktionsmanagementsysteme von SAP, mit der Firma Schad die Bereitsstellung mobiler Kommunikationslösungen bis hin zu Anbietern offener Programmieumgebungen (3S-Codesys) und vernetzter Datenbanken (Birdstep). Um unserem Anspruch als Komplett-Lösungsanbieter gerecht zu werden, wurde unser Portfo-lio auch im Bereich der Sicherheitssteuerungstechnik mit dem WS-Safety Controller erweitert, der auf der SPS/IPC/Drives erstmalig präsentiert wurde.
