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Interview über die Aktivitäten von Pepperl+Fuchs im Bereich Bildverarbeitung

Vom Vision-Sensor zur Systemlösung

Dr. Peter Adolphs, Geschäftsführer der Pepperl+Fuchs GmbH: „Der Vision-Sensor wird zunehmend in das Segment der Smart-Kameras hineinwachsen.
Dr. Peter Adolphs, Geschäftsführer der Pepperl+Fuchs GmbH: „Der Vision-Sensor wird zunehmend in das Segment der Smart-Kameras hineinwachsen."
VMT ist weltweit einer der führenden Anbieter für Systeme für die 3D-Lageerkennung in der Automobil- industrie
VMT ist weltweit einer der führenden Anbieter für Systeme für die 3D-Lageerkennung in der Automobil- industrie
Konfigurierbarer Vision- Sensor VOS310 von Pepperl+Fuchs
Konfigurierbarer Vision- Sensor VOS310 von Pepperl+Fuchs
Der technische Fortschritt erschließt der Bildverarbeitung immer weitere Anwendungsfelder, sodass viele Unternehmen ihre Aktivitäten auf dem Gebiet ausweiten. Dazu gehört auch die Mannheimer Pepperl+Fuchs GmbH, die zum einen Vision-Sensoren mit standardisierter Funktionalität anbietet und zum anderen durch die Übernahme des Systemanbieters VMT seit Ende letzten Jahres auch bei den High-End-Systemen vertreten ist. Die elektro Automation sprach mit Dr. Peter Adolphs, Geschäftsführer von Pepperl+Fuchs, über die Ziele des Unternehmens in der industriellen Bildverarbeitung.

Der technische Fortschritt erschließt der Bildverarbeitung immer weitere Anwendungsfelder, sodass viele Unternehmen ihre Aktivitäten auf dem Gebiet ausweiten. Dazu gehört auch die Mannheimer Pepperl+Fuchs GmbH, die zum einen Vision-Sensoren mit standardisierter Funktionalität anbietet und zum anderen durch die Übernahme des Systemanbieters VMT seit Ende letzten Jahres auch bei den High-End-Systemen vertreten ist. Die elektro Automation sprach mit Dr. Peter Adolphs, Geschäftsführer von Pepperl+Fuchs, über die Ziele des Unternehmens in der industriellen Bildverarbeitung.

eA: Welche Bedeutung hat die Bildverarbeitung für Pepperl+ Fuchs?

Adolphs: Die Bildverarbeitung ist zweifellos eine der zentralen Sensortechnologien der Zukunft. Das ist zwar heute, was die Stückzahl angeht, bei weitem noch nicht der Fall, aber die Bildverarbeitung ermöglicht Applikationen, die mit andern Sensorprinzipien so nicht machbar sind. Und bedingt durch Entwicklungen auch auf dem Consumer-Markt, wo Foto-Handys und Digitalkameras inzwischen weit verbreitet sind, erwarten wir, dass die entsprechenden Komponenten zunehmend preiswerter werden, sodass man sich vorstellen kann, in Zukunft Geräte in der Klasse von wenigen hundert Euro zu bauen. Da diese aber auf eine bestimmte Funktion festgelegt sein werden, würde ich sie eher als mehr dimensionale Lichtschranke bezeichnen wollen denn als richtige Bildverarbeitungssysteme. Wir sind ja bereits seit einigen Jahren mit solchen applikationsspezifischen Visions-Sensoren auf dem Markt vertreten. Diese Produkte haben eine auf die jeweilige Anwendung optimierte Software, sodass der Kunde das Gerät mit sehr wenig Aufwand für die Parametrierung oder im Idealfall sogar per Plug&Play in Betrieb nehmen kann. Dass ist unser Zielrichtung, die wir auch weiter verfolgen werden. Unser Kerngeschäft ist schließlich der Komponentenbereich, das heißt Geräte, die mit einem vertretbaren Aufwand einzurichten sind und in der Automatisierung in hohen Stückzahlen eingesetzt werden.

eA: Mit VMT hat Pepperl+Fuchs Anfang des Jahres einen Systemanbieter für Bildverarbeitungslösungen übernommen, also ein Unternehmen, das am anderen Ende des Spektrums der industriellen Bildverarbeitung anzusiedeln ist. Was waren die Gründe dafür?

Adolphs: Richtig, VMT betreibt Systemgeschäft und befindet sich am anderen Ende der Leistungsskala. Wir haben das Unternehmen aus drei Aspekten heraus gekauft: Der erste Grund ist, dass wir so Zugang zu Software-Technologie aus dem Highend-Bereich haben, die wir teilweise und zeitversetzt auch in den Komponenten von Pepperl+ Fuchs verwenden können. Wir können von dort Lösungen übernehmen und für Massenapplikationen anwendbar machen, ohne bei der Entwicklung von vorne anfangen zu müssen. Der zweite Punkt ist, dass wir vermehrt sehen, dass auch im Systemgeschäft der Vision-Sensor zunehmend zum Einsatz kommt. Es wird zunehmend mit Konzepten basierend auf dezentraler Intelligenz gearbeitet, das heißt mit Smart-Kameras und Vision-Sensoren, die bestimmte Teilaufgaben übernehmen. Durch die VMT rücken wir auch näher an die Applikation für unsere Komponenten heran und können sie so besser an die Anforderungen dort anpassen. Und der dritte Vorteil ist, dass wir durch die Systemkompetenz, die wir uns mit der VMT zugelegt haben, auch in der Lage sind, unseren Kunden Angebote zu machen, die etwas mehr umfassen als die reine Lieferung von Komponenten. Aber ich möchte unterstreichen, dass wir eine klare Trennung bei den Marken fahren. Normalerweise haben wir bei Akquisitionen immer sehr schnell den alten Firmenname aufgegeben und durch Pepperl+Fuchs ersetzt sowie das Unternehmen komplett integriert. Bei der VMT haben wir das bewusst nicht getan, um den Kunden ein ganz klares Zeichen zu geben, dass sie bei VMT Systemleistung, Engineering, Inbetriebnahme und Beratung erwerben und bei Pepperl+Fuchs Komponenten kaufen.

eA: Wo sehen Sie die Stärken von VMT?

Adolphs: VMT ist sehr stark auf die 3D-Lageerkennung fokussiert, wo mit einer Vielzahl von Kameras ein beliebig geformter Körper im Raum erkannt, vermessen und die genaue Position in den sechs Freiheitsgraden ausgegeben wird. Das sind Lösungen, die vor allem im Automobilbau beispielsweise beim Schweißen, Kleben oder Lackieren zum Einsatz kommen. VMT ist einer der Marktführer weltweit und hat bereits mehrere Hundert solche Systeme im Automobilwerken installiert. Darüber hinaus gibt es einige Anwendungen in der Pharmaindustrie im Bereich Rückverfolgbarkeit und zwar mit Systemen die FDA-geprüft sind. Hier geht es um eine Verwaltungssoftware die dafür sorgt, dass die Vielzahl von Daten so abgespeichert und abgelegt wird, dass man später darauf zurückgreifen kann und diese Ablage den Regularien der FDA genügt. Diese Software ist von VMT entwickelt worden. Und als drittes möchte ich die High-End-Inspektionssysteme erwähnen. Das sind Anwendungen, die man nicht mehr mit einem PC-System oder gar einer Smart-Kamera lösen kann. Ein Beispiel dafür ist die Fertigung von Espresso-Kapseln, wo es darum ging, die Kapseln mit sehr hoher Geschwindigkeit richtig zu sortieren. Hier war sehr viel Engineering notwendig, um die enorm hohen Geschwindigkeitsanforderungen zu erfüllen. Bei der Gelegenheit möchte ich erwähnen, dass der VMT aufgrund des kontinuierlichen Wachstums die Räumlichkeiten in Weinheim zu eng geworden sind und ab Oktober ein neues Gebäude im Süden Mannheims bezogen wurde.

eA: Die Bildverarbeitungsbranche ist geprägt durch eine Vielzahl kleiner Unternehmen. Mittlerweile ist aber eine gewisse Konsolidierung des Marktes durch Übernahmen zu beobachten. Oft ziehen sich die Tüftler, die die Firma gegründet haben, nach dem Verkauf aus der Firma zurück. Geht dadurch nicht auch etwas von dem Innovationsgeist der Branche verloren?

Adolphs: Das ist hier ähnlich wie bei jeder anderen neuen Technologie: Am Anfang ist die Zeit der Pioniere, die geniale Ideen haben. Aber die Kundschaft muss dabei bereit sein, Unzulänglichkeit in der Qualität in Kauf zu nehmen. Wer vor hundert Jahren ein Auto kaufte, musste damit rechnen, öfters mal liegen zu bleiben. Heute würde das kein Kunde mehr akzeptieren. Und ganz ähnlich ist es in der Bildverarbeitung auch. Ich denke, der Pioniergeist wird durch diese Konsolidierung ein Stück zurückgehen, aber die Professionalisierung wird steigen. Das heißt, die Kunden können eine höhere Zuverlässigkeit erwarten, wodurch für sie auch ein Mehrwert geschaffen wird. Darüber hinaus denke ich, dass es eine Firma mit fünf oder zehn Mio. Euro Umsatz, die auf sich alleine gestellt ist, auf Dauer schwer hat, zu überleben. Gerade in der Automobilindustrie wird es für ein Unternehmen dieser Größenordnung schwierig werden, als Projektpartner akzeptiert zu werden, wenn es andere Anbieter gibt, die mehr wirtschaftliche Sicherheit bieten. In Projektgeschäften muss man auch mal ein Tal überstehen können. Und da bin ich mir nicht sicher, ob alle kleinen Spieler am Markt das auf Dauer tun werden. Wir merken auch in der Diskussion mit unseren großen Kunden aus der Automobilindustrie, dass die froh sind, dass hinter VMT eine Firmengruppe steht, die die entsprechenden Sicherheiten bietet.

eA: Mit den Vision-Sensoren decken Sie einfache Anwendungen der industriellen Bildverarbeitung ab und mit VMT bieten Sie Highend-Systemlösungen. Ist das Marktsegment zwischen diesen beiden Polen für Sie nicht interessant?

Adolphs: Meiner Ansicht nach wird der Vision Sensor zukünftig immer mehr in das Feld der Smart-Kamera hineinwachsen, sodass wir in dieses Segment hineinwachsen. Aber letztendlich ist für uns immer die Stückzahl entscheidend: Wir suchen gezielt nach Anwendungen, für die wir Hardware mit einer entsprechend hohen Stückzahl absetzen können, und für diese Applikationen bieten wir Produkte an. Wir wollen nicht in das mittlere Stückzahlsegment einsteigen. Die VMT wiederum hat zwar noch viel kleinere Stückzahlen, aber es wird ja auch keine Hardware gebaut, sondern hier geht es um System-Engineering. Uns fehlt also nicht der mittlere Bereich, sondern wir fangen bei der Hardware da an, uns von unten aufzubauen, wo wir entsprechende Stückzahlen vermuten. Und die VMT auf der anderen Seite gibt uns Ideen, was auf bei der Software getan werden kann, damit die Performance besser wird.

eA: Nun wächst das Angebot an Vision-Sensoren ständig, es kommen zudem neue Anbieter auf den Markt. Wächst der Markt so stark, dass alle ihren Platz finden werden oder erwarten Sie einen Verdrängungswettbewerb?

Adolphs: Ich denke, das wird dort die gleiche Entwicklung sehen, wie in vielen anderen Bereichen auch. In dem Moment, wo ein neuer Markt entsteht, strömen viele Anbieter hinein. Das ist ein Effekt, den man mehr oder minder in jeder Branche hat. Es ist sicherlich so, dass das ganze Thema Vision-Sensor momentan hipp ist und eine gewisse Modewelle zu verzeichnen ist. Ich sehe daneben aber die Situation, dass der Markt immer noch von relativ kleinen Anbietern stark geprägt wird , die äußerst spezialisiert sind. Und da habe ich meine Zweifel, dass diese Anbieter in der Lage sein werden, bei hohen Stückzahlen bei den Herstellungskosten mitzuhalten. Insofern glaube ich dass es daher gewisse „Bereinigungseffekte" gibt. Aber letztendlich ist das ein Markt, der erst entsteht, und ich glaube, dass wir bei weitem noch nicht alle Applikationen erschlossen haben, die man sinnvoll mit Vision-Sensoren realisieren kann. Ein Beispiel dafür ist die Fach-Fein-Positionierung, eine eigentlich relativ einfache Aufgabe, die aber aufgrund der wechselnden Beleuchtungsverhältnisse gar nicht so leicht zu lösen ist. Das ist eine Applikation, bei der man vor Jahren gar nicht angenommen hätte, dass eine Bildverarbeitungs-Technologie dort zu einem akzeptablen Preis eingesetzt werden kann.

eA: Bei welchen Einsatzfeldern erwarten Sie, dass Vision-Sensoren verstärkt zum Zuge kommen?

Adolphs: Vor allem im Bereich der Druck- und Verpackungsmaschinen zur Inline-Qualitätskontrolle. Und natürlich zählen ja auch unsere Data-Matrix Geräte zu den Vision-Sensoren. Das Ende der Forderung im Hinblick auf Rückverfolgbarkeit ist bei weitem noch nicht erreicht. Wir sehen es bei unseren eigenen Produktionsprozessen, wo die Data-Matrix Codes inzwischen über all zu finden sind. Dadurch lässt sich jedes Produkt von der Auslieferung zurück bis zu den einzelnen Komponenten und Arbeitsschritte verfolgen. Bei einer Reklamation kann dann die Fehlerursache schneller und einfacher ermittelt und beseitigt werden. Da stehen wir erst ganz am Anfang der Entwicklung. ke

eA 408

25.10.2007


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